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24.05.2003

Fräulein Moxa

von Kai Agthe Ostthüringer Zeitung

Anja Tuckermann erzählt über Ranis

Fräulein Moxa ist ein seltsames Wesen, halb Fee, halb Pippi Langstrumpf. Fräulein Moxa hat fünf Kinder, aber keinen Mann, dafür haben ihre Kinder fünf Väter. Sagt man. Wovon Fräulein Moxa mit ihren Kindern lebt, weiß keiner so genau. Herr Pößneck steht in der Gunst des Fräulein Moxa ganz vorn. Aber dennoch steht er dort nicht allein. Im Hause Moxa geht es so anarchisch zu wie in der Villa Kunterbunt. Das Häuschen des Fräulein ist aber nicht in Schweden, vielmehr zwischen Krölpa, Bucha und Keila, also in Südostthüringen, zu finden.
Anja Tuckermann hat (als Stadtschreiberin in Ranis 2001/ 2002) eine wundervolle Erzählung geschrieben, die nicht nur in der Gegend des beschaulichen Städtchens Ranis mit seiner erhabenen Burg spielt, sondern deren Figuren allesamt Namen von Städten und Dörfern der Umgebung tragen.
Die so locker und leicht zu lesende Geschichte handelt aber nicht nur von Fräulein Moxa, nach der sich die ganze Männerwelt verzehrt und über die sich alle neidischen Hausfrauen die Mäuler zerreißen. In die Erzählung ist auch viel Lokalkolorit eingeflossen. Uberhaupt vermag es die Berliner Autorin, historische und gegenwärtige Gegebenheiten der Region geschickt einzuflechten ohne den Erzählfluss zu stören.
Obwohl Fräulein Moxa, die Begehrte und Beobachte im Zentrum aller Aufmerksamkeit steht, entzieht sie sich einer genauen Charakteristik. Wir müssen uns an das halten, was der schwer verliebte Herr Pößneck über die von ihm angebetete Titelfigur zu sagen weiß: ?Die Linien des Flusses sind fließend und kräftig. So ist doch Fräulein Moxa.?

(Anja Tuckermann: "Fräulein Moxa". Erzählung. Edition Ranis. Ranis 2003. 100 S., 10 Euro)