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23.02.2008

Flockenkarusel: Thomas Rosenlöchers Gedichte

von Frank Quilitzsch TLZ

"Ich sitze in Sachsen und schau in den Schnee" heißt einer seiner Gedichtbände. Bis vor kurzem saß Thomas Rosenlöcher unter Dresdens berühmtester Buche und demonstrierte gegen den Bau der Waldschlösschenbrücke. Um das Elbtal, ein schönes Stück Unesco-Weltkulturerbe, vor Verschandelung zu bewahren. Der Baum wurde gefällt. "Ihr zersägt eure Enkel", warnte der Hölderlin-Verehrer, doch Dichter werden hierzulande nicht erhört.
In seinem neuen Gedichtbändchen "Das Flockenkarussell" verkehrt Rosenlöcher mit Bäumen und Engeln. "Blüten und Schnee", bekennt er in seinem den Band beschließenden Aufsatz "Engel hab ich mir abgewöhnt", "sind die großen Verwandler, utopisch selbst noch im Moment des Erscheinens." Der Garten in Kleinzschachwitz wird dem lyrischen Ich zum Mittelpunkt der Welt, die von Gesängen nicht gerettet, nicht gebessert, doch in ein anderes, staunen machendes Licht getaucht wird. Da dreht sich das Lebenskarussell, gehen Flaschenpostsendungen auf die Reise. Rosenlöcher findet apokalyptische Zeichen in zarten Blütenkelchen, preist die Schönheit des Daseins, die zu bewahren Wortwerk nicht immer genügt. Manches muss man auch aussitzen, unter Bäumen, über Manuskriptblättern, im schutzbedürftigen Engelsgeschwader. Ein Sachse, der auszieht, um standhaft zu bleiben. "Glücklich unter Rosen hocken / hält selbst das Weltende auf."

i Thomas Rosenlöcher: Das Flockenkarussell. Blüten-Engel-Schnee-Gedichte. Insel-Bücherei Nr. 1296, Insel-Verlag, Frankfurt/Main, 108 S., 11,80 Euro