Presse - Details

 
08.01.2011

"Fleurs doubles" mit boshaften Liedern auf Burg Ranis

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Eszter Rotter (links) und Juliane Lochmann gestalteten am Donnerstag den musikalischen Jahresauftakt auf Burg Ranis

Den Liedern des 1922 geborenen Georg Kreisler haben sich Eszter Rotter (Jahrgang 1968) aus Dornburg und Juliane Lochmann (Jahrgang 1975) aus Jena mit voller Hingabe verschrieben. Mit "Taubenvergiften für Fortgeschrittene", "Fürchten wir das Beste" und "Die alten, bösen Lieder" sind einige Veröffentlichungen von Georg Kreisler überschrieben, die damit dessen Schaffen bereits treffend charakterisieren. Sein im Vorjahr erschienenes Buch "Georg Kreisler für Boshafte" gibt zudem Auskunft über die Ausdrucksweise des Kabarettisten, Komponisten, Satirikers und Schriftstellers.

Als Duo "Fleurs doubles" bestritten die zwei Künstlerinnen am Donnerstag mit ihrem humorvollen Programm "Liebe und Revolution! Was sonst?" den musikalischen Jahresauftakt der Reihe "Autorenlesung auf Burg Ranis".  

Georg Kreisler ist unwahrscheinlich vielseitig. Er hat nicht nur Chansons geschrieben, sondern auch Opern komponiert", zeigt sich Rotter begeistert, die zum erstmals mit dem Stück "Die nackten Mädchen" auf den Österreicher aufmerksam geworden war und sich dafür Noten besorgte. Georg Kreisler gilt als Meister der Sprache, Mimik und Gestik. Seine Lieder zeichnen sich durch hintergründigen, oft schwarzen Humor und kompromissloser Kritik an Gesellschaft und Politik aus.

Der Begriff "Fleurs doubles" für den Namen des Duos stammt aus dem Französischen und bedeutet "Gefüllte Blumen". Die Liebe für textlichen mit Musik untermalten Biss, verbunden mit Genialität und Einzigartigkeit, brachte die beiden Musikerinnen zusammen, die seit fünf Jahren zusammen arbeiten. "Wir treten nur nebenberuflich auf, würden das aber gern zu unserem Beruf machen", erklärte Juliane Lochmann auf eine Frage aus dem Publikum.

"Nach Zeiten des Ausprobierens fesselten uns vor allem die Lebendigkeit der Werke von Georg Kreisler und Kurt Weill. Bald waren wir enthemmt, manchmal kopf- und manchmal zeitlos, immer leidenschaftlich. Wir lernten die unglaublich vielfältigen Werke kennen, saugten sie auf und probierten viel aus. Eszter transkribierte nächtelang, um unzugängliches Notenmaterial aufs Papier zu bringen", verriet sie dem Publikum und sagte: "Ich erlaube mir, jede Moral abzuschütteln." Und ihre Kollegin an den Tasten wundert sich derweil "immer wieder, was ich höre, wenn ich Klavier spiele".

Die Stücke kamen gut beim Publikum an, das sich in melancholische als auch heitere Stimmung versetzen ließ. Lieder gab es ebenso von Hildegard Knef, etwa"Ich möchte am Montag mal Sonntag haben."

Besucher Rumen Tjuljumbow hatten es aber am meisten die Stücke von Georg Kreisler angetan. "Es war bestürzend schön, so tiefe Wahrheiten", sagte er über den "super Abend".

Fans von Georg Kreisler sei verraten, dass der inzwischen 88-Jährige im Mai im Spiegelzelt in Weimar gastieren wird. Eszter Rotter und Juliane Lochmann werden sich den Abend wohl bestimmt in ihrem Kalender festhalten.