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07.11.2005

Faszinierende Lebensbilder

von Sabine Wagner Ostthüringer Zeitung

Der erstmals verliehene Thüringer Literaturpreis würdigt die Schriftstellerin Sigrid Damm

Von OTZ-Redakteurin Sabine Wagner Preisverleihungen haben ein strenges Prozedere. Am Anfang und am Ende spielen hoffnungsvolle Nachwuchskünstler wunderbare Musik. Dazwischen gibt es verschieden lange und längere Reden, inklusive Begrüßung bedeutsamer Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft. Nach der Laudatio folgen die Auszeichnung selbst und die Dankesworte der oder des Geehrten.

Die festliche Verleihung des Thüringer Literaturpreises 2005 an die Schriftstellerin Sigrid Damm gestern Vormittag im Deutschen Nationaltheater in Weimar hielt sich an dieses Reglement, war aber in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes. Zum einen verkürzte der emeritierte Kölner Literaturwissenschaftler Professor Karl Otto Conrady die Anrede in seiner wunderbaren Laudatio wie folgt: "Sehr geehrte Damen und Herren, samt aller Ihnen zustehenden Titel". Und hatte damit die Sympathie sofort auf seiner Seite. Zum anderen wurde die mit 6000 Euro dotierte Auszeichnung zum ersten Mal verliehen, ausgelobt von der Literarischen Gesellschaft Thüringen e. V. und gestiftet von der E.ON Thüringer Energie AG, also von privater Hand.

Dass die 1940 in Gotha geborene Sigrid Damm für ihr Gesamtwerk den Thüringer Literaturpreis erhielt, honorierte ihre große Fan-Gemeinschaft gestern in Weimar mit herzlichem Applaus. Nicht erst seit ihrem Jubiläumsgeschenk "Das Leben des Friedrich Schiller - Eine Wanderung", 2004 wie fast alle ihre Werke im Insel Verlag erschienen, fasziniert die "dokumentarische Erzählerin" durch ihre akribisch recherchierten und sprachlich einzigartigen Lebensbilder. In ihrer Spurensuche zu Jakob Michael Reinhold Lenz, Caroline Schlegel-Schelling, zu Cornelia Goethe oder Christiane Vulpius wendet sich die promovierte Germanistin den "im Leben zu kurz Gekommenen" zu. Ihre poetischen Reisen nach Schottland oder mit ihren Söhnen Tobias und Joachim Hamster Damm durch Lappland sind eine hinreißende Hommage an Land und Leute.

Gleichwohl ist die heute in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern lebende Autorin im Herzen eine Thüringerin geblieben. Als sie als Fünfjährige, unter dem Nähtisch versteckt, im Gespräch der Erwachsenen das erste Mal von Weimar hört, begegnen ihr nicht Goethe und Schiller, sondern die furchtbare Wirklichkeit von Buchenwald. Dass Sigrid Damm in ihrer Dankesrede auch diese Erinnerung lebendig werden lässt, zählt zu den Besonderheiten dieser Preisverleihung.