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15.03.2005

Fabelhafte Welt der Bücher-Fans

von Frank Quilitzsch TLZ

Leipzig. (tlz) Mein Leipzig lob´ ich mir - besonders zur Buchmesse, die am morgigen Donnerstag wieder ihre Pforten öffnet. Bis einschließlich Sonntag werden etwa 100 000 Besucher an den Ständen für Gedränge sorgen, und der Frühling, der sich endlich einstellt, wird Verlegern, Vertretern, Buchhändlern, Autoren und Lesern durch die Glasdächer zusätzlich einheizen. Wachstum - in Zeiten wirtschaftlicher Flaute sonst ein Fremdwort - ist hier angesagt: Mit mehr als 2100 Ausstellern aus 30 Ländern auf 50 000 Quadratmetern präsentiert sich die Messe in neuer Hallenstruktur größer und vielfältiger denn je.

Leipigs Messe-Geschäftsführer Wolfgang Marzin stellt der Bücherschau, die in der Sachsenstadt immer auch ein Lesefest ist, ein gutes Zeugnis aus: "Die Leipziger Buchmesse hat sich, wenn man makro denkt, immer getragen. Wenn man mikro gedacht hat, war sie 2004 erstmals profitabel." Ob mikro oder makro, nicht ihre wirtschaftliche Dimension, sondern die Atmosphäre des größten Lesefestes Europas macht die viertägige Ausstellung zum Publikumsereignis und damit den Unterschied zur größeren Schwester in Frankfurt.

Über den Slogan "Wir sind das Buch", den zu finden vor Jahresfrist eigens eine Agentur beauftragt wurde, lässt sich streiten. Doch der mehr als 1200 Veranstaltungen umfassende Marathon "Leipzig liest", der mit "Leipzig hört" Zuwachs bekommen hat, bietet tagsüber in den Hallen und abends in der Innenstadt ausreichend Gelegenheit für Begegnungen. Die Organisatoren setzen dabei auf die bewährte Mischung aus prominenten Gästen, literarischen Debüts, Foren und Spaß für junge Leser - der Kinder- und Jugendbereich mit allein 300 Programmpunkten für Comic-Fans beansprucht etwa ein Viertel der Gesamtfläche.

Preisvergabe

Auf der Messe sowie an mehr als 200 Orten in der Stadt - von Cafés und Clubs über Theater, Buchläden und Schulen bis zum Jugendamt, Museen oder Kirchen - kann man Autoren wie Thomas Brussig, Amos Oz, Hellmuth Karasek, Walter Kempowski, Joachim Fest, Adolf Muschg oder Jorge Semprun erleben. Antje Babendererde und Matthias Biskupek vertreten die Thüringer Schreiberzunft. Zudem sind bekannte Schauspieler und Sänger wie Manfred Krug, Herman van Veen, Pierre Brice, Katharina Thalbach, Jan Josef Liefers, Peter Lohmeyer und Charles Aznavour in Leipzig vertreten.

Ein Schwerpunkt ist das Schiller-Forum zum 200. Todestag des Dichters. Rüdiger Safranski und Sigrid Damm präsentieren ihre Biografien. In der Reihe "Jüdische Lebenswelten" kommen israelische Politiker und Autoren zu Wort. Am Donnerstag werden auf einem Festakt zum 40-jährigen Bestehen der deutsch-israelischen Beziehungen Außenminister Joschka Fischer und Israels Botschafter Shimon Stein sprechen.

Am Eröffnungstag gibt es eine Premiere: Erstmals wird der "Preis der Leipziger Buchmesse" in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung vergeben. Für die mit insgesamt 45 000 Euro dotierte Auszeichnung konnten die Verlage je drei Titel pro Kategorie vorschlagen. Die Jury hat aus 586 Vorschlägen je 10 für die Endrunde nominiert.

@ http//:www.leipziger-buchmesse.de