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14.09.2005

Erster Autor auf Burg Ranis

von Frank Quilitzsch TLZ

Berlin/Jena. (tlz) Wie armselig wäre es heute um die polnische Literatur in Deutschland bestellt, hätte es ihn nicht gegeben: Henryk Bereska. Der 1926 in Katowice geborene, zweisprachig aufgewachsene Übersetzer hat unter anderen Mickiewicz, Breza, Lem, Brandys, Andrzejewski, Rózewicz, Zagajewski und Milosz ins Deutsche übertragen. Er machte sich als Herausgeber polnischer Anthologien in der DDR einen Namen. Und er hat sich, wo immer er gerade war, für eine Versöhnung und Verständigung zwischen Deutschen und Polen eingesetzt.

Bereska, der 1947 aus seiner Heimat geflüchtet war, an der Berliner Humboldt-Universität Germanistik, Polonistik und Slawistik studiert hatte und als Lektor am Aufbau-Verlag tätig gewesen war, hat einmal die Übersetzertätigkeit als eine "schöpferische Qual" bezeichnet, die ihm Genugtuung verschaffe. "Ich wurde Fährmann, übertrug kostbare Fracht." Der deutsch-polnische Fährmann wurde mit Preisen geehrt, zuletzt mit dem Bundesverdienstkreuz der BRD und dem Kommandeurskreuz zum Verdienstorden der Republik Polen.

Nach der Wende kämpfte Bereska vehement an gegen das sinkende Interesse ostdeutscher Verlage an polnischer Literatur. Der Thüringer Lese-Zeichen e. V. hat dem Übersetzer, der auch ein eigenes dichterisches Werk hinterlassen hat (u. a. "Märkische Gedichte", "Und wenn die mageren Jahre die fetten wären?"), viel zu verdanken. Das deutsch-polnische Autorentreffen auf Burg Ranis im Jahr 2001 und die polnisch-deutsche Literaturtagung mit Thüringer Autoren in Krakow 2002 sind vor allem durch seine Vermittlung zustande gekommen. Übrigens weilte Bereska als erster Autor zu einem Arbeitsaufenthalt auf der Literaturburg Ranis.

Henryk Bereska ist am 11. September im Alter von 79 Jahren in einem Berliner Krankenhaus gestorben.