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16.06.2014

Erstaunt über Wildkräuter am Wegesrand: Große Landpartie in Knau

von Peter Cissek Ostthüringer Zeitung

In "Das Reich der Pfanzen und Kräuter" entführte der Förderkreis Rittergut Knau... Foto: Peter Cissek

Auf dem Gelände des Rittergutes Knau und dem Gutspark, dem Pfarrgarten und dem Kneipp-Ferienhof "Alte Försterei" wurde eine groß angelegte Landpartie mit Kräuterfest gefeiert. Alle Einnahmen zur Sanierung des Renaissanceschlosses.

Knau. Die "Kuechenmaisterey" Reinhild Lapczyna erklärt den Landpartiebesuchern am Samstag vor dem Rittergut in Knau, wie sie aus Salzlaken-Feta, einer Kräutermischung sowie geröstetem Paprika, Knoblauch und Olivenöl den begehrten Kräuter-Öl-Käse herstellte. Oder wie sie aus anderen Zutaten die "Torten von Souren Kürschen" nach einem Rezept von Platina von 1474 buk. Der Andrang an ihrem Stand war immens.

"Also, ich könnte der Frau stundenlang zuhören", schwärmte Ilona Richter aus Neustadt: "Ich befasse mich auch mit Kräutern. Aber von ihr konnte ich noch viel lernen, vor allem, wo man welche Wildkräuter findet und wie man sie verwendet", schwärmte die Neustädterin. Bei der ersten Landpartie nach zwölf Jahren auf dem Gelände des Rittergutes Knau drehte sich alles um "Das Reich der Pflanzen und Kräuter". Besonders interessiert waren über 40 Gäste an der Kräuterwanderung mit "Kuechenmaisterey" Lapczyna durch den Gutspark und sehr erstaunt, welche Vielfalt an Wildkräutern es selbst am Wegesrand zu finden gibt.

Viele Teilnehmer notierten sich das Gesagte und das Aussehen der Heilpflanzen, manche fotografierten diese mit dem Smartphone, um bei Bedarf etwa Gänsefingerkraut, Scharbockskraut, Goldtaubnessel und Beinwell finden und anwenden zu können. "Erhoffen Sie sich aber nicht zu viel von den Kräutern. Außerdem: Wenn Sie sich nicht sicher sind, sollten Sie nie etwas einnehmen", machte Reinhild Lapczyna auf die Verwechslungsgefahr aufmerksam. Sie selbst lege sich beispielsweise bei Schlafstörungen ein mit Waldmeister gefülltes Duftsäckchen nebens Kopfkissen.

"Die Renaissancebratwurst ist lecker, auch die Kräutersoße als Senfersatz", schwärmte Besucherin Gisela Geldner aus Plothen. "Kuechenmaisterey" Lapczyna verriet, dass die nach einem um 1553 von Sabrina Welserin erstellten Rezept von der Agrofarm Knau gefertigte Rostbratwurst neben Schweinefleisch auch über einen Rindfleischanteil verfüge, aber kein Eiweiß: "Dafür enthält diese Wurst Salbei, Majoran und andere Kräuter, die bei dem üppigen Gelage vor über 400 Jahren gegen das Völlegefühl verwendet wurden."

Rittergut-Fördervereinsvorsitzender Thomas Wunsch, der mit Sparkassenvorstand Dirk Heinrich am Holzkohlerost stand, zeigte sich begeistert über den Besucherappetit: "Nicht nur die 400 Renaissancewürste, auch die von den Knauer Frauen gebackenen vielen Kuchensorten waren nach wenigen Stunden ausverkauft. Alle Einnahmen, auch eine Spende der Kreissparkasse, sollen für die Sanierung des Dachs und der Westfassade des Renaissanceschlosses verwendet werden." Marie-Luise Krammer, die mit Cordula Brink die Rittergut-Bauforschung für ihre Masterarbeit fortgeschrieben hat, erklärte den Gästen ihres Vortrages, dass der Wohnturm bereits im 11. Jahrhundert entstanden und älter als gedacht sei. Im Schloss habe es einen zweiten Renaissancesaal mit gewölbter Decke als krönenden Abschluss gegeben. Vor dem Renaissanceschloss führten 25 Kinder mittelalterliche Tänze auf. "Die historischen Kostüme hatte vor acht Jahren auf Initiative der Eltern Hannelore Schulze aus Lemnitz angefertigt. Mit der Zeit haben wir weitere nachbestellt", sagte Sabrina Künzel, die die Aufführung leitete. Angebote gab es auch im Pfarrgarten und im Kneipp-Ferienhof "Alte Försterei", wo sich die Gäste nicht nur bei Anwendungen, sondern auch in einem gepflegten Kräutergarten erholen konnten.