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21.06.2005

'Erst wenn ich schreibe, leb' ich'

von Ulrike Michael Ostthüringer Zeitung

Gespräch mit dem Drehbuchautor, Schriftsteller und Theatermacher Felix Huby - Lesung am 24. Juni auf Burg Ranis

Eberhard Hungerbühler (66) gehört seit Jahrzehnten zu den fleißigsten Krimischreibern und gefragtesten Fernsehautoren. Unter seinem Pseudonym Felix Huby veröffentlichte der ehemalige Journalist Sach- und Kinderbücher, Romane und Drehbücher. Von ihm stammen Serien wie "Oh Gott, Herr Pfarrer", "Ein Bayer auf Rügen", "Oppen und Ehrlich". Er erfand den Tatort-Kommissar Bienzle, hob Schimanski mit aus der Taufe und schrieb an den ersten 260 Folgen von "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten". Am 24. Juni kommt der Autor zu den Literatur- und Autorentagen auf die Burg Ranis und stellt seinen neuen Kommissar Heiland vor.

Was für ein Typ ist Heiland?

Ein linkischer Schwabe, den es nach Berlin verschlagen hat, wo er eigentlich nicht richtig hingehört. Er lebt als Single am Prenzlauer Berg. Das ist ein bisschen auch meine Lebensgeschichte, weil ich selbst vor 15 Jahren nach Berlin gekommen und immer noch nicht richtig heimisch bin.

Wann kommt er ins Fernsehen?

Es laufen Verhandlungen, aber er wird kein Tatort-Kommissar. Vielleicht wird er Held einer eigenen Reihe. Zunächst müssen sich aber die Romane durchsetzen. Der erste verkauft sich schon ganz gut.

Ist die Fortsetzung in Arbeit?

Den zweiten Roman habe ich gerade begonnen.

Sie hat also auch nach über 30 Jahren nicht die Lust am Schreiben verlassen?

Erst wenn ich schreibe, leb´ ich richtig.

Gibt es etwas, was Sie niemals schreiben würden?

Action - hab´ ich mal versucht, würde es aber nicht wieder tun. Und politische Reden, weil man sich schwer in Politiker hineindenken kann. Sonst ist alles faszinierend, was man neu anpackt.

Woran hängt Ihr Herz am meisten?

Im Augenblick an der Theaterarbeit. Kurz vor der Lesung in Ranis gibt es in Stuttgart von mir eine Uraufführung. Daran arbeite ich gerade sehr intensiv mit den Schauspielern und dem Regisseur. Beim Fernsehfilm überlässt man es anderen Leuten, was sie daraus machen.

Wie passen "Tatort" und Soap aus einer Feder zusammen?

Gar nicht. Es sind die Aufgabenstellungen, die mich interessierten. Es war schon spannend, erstmals in Deutschland eine tägliche Serie zu schreiben, mit ihren vielen Handlungssträngen. Eine Serie unterliegt eigenen Gesetzen und war eher eine handwerkliche Herausforderung.

Woher kommt der Stoff für Ihre unzähligen "Tatorte"?

Man entwickelte eine Idee nach aktuellen Themen, die man irgendwo gehört oder gelesen hat. Und wenn ein "Tatort" in einer Markthalle spielen soll, schaue ich mich genau da um. Der Rest ist eine Frage der kriminellen Energie und Intelligenz.

Sind Sie der regelmäßige oder der spontane Schriftsteller?

Ersteres. Ich stehe morgens 7 Uhr auf und geh´ direkt vom Bett an den Schreibtisch.

Aber nicht im Schlafanzug?

Doch. Und wenn die erste Schreibphase vorbei ist, geh ich ins Bad, nehme mir auf dem Rückweg ´ne Stulle und ´nen Kaffee mit und schreibe weiter.

Gespräch: Ulrike Michael
Freitag auf der Burg Ranis (bei Regen in der Stadtkirche): 19 Uhr: Lesung mit Christoph Hein;
21 Uhr: Lesung mit Felix Huby
>> www:lesezeichen-ev.de