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14.03.2016

Erst verhaltener Beifall, dann aber lautstarker Applaus

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Pianist Uwe Matschke und Sängerin Angelika Mann. Foto: Mario Keim

Die Berliner Sängerin Angelika Mann glänzt in der Pinsen­berghalle Krölpa mit ihrem ­aktuellen Liederprogramm.

Krölpa. Kleine Frau ganz groß: Mit ihrem aktuellen Liederprogramm „Ich bin die Kleinkunst in Person“ war Angelika Mann am Sonnabend in der Pinsenberghalle in Krölpa zu erleben. Begleitet wurde die Sängerin und Schauspielerin vor 75 Zuhörern von Uwe Matschke am Blüthner-Flügel. Der im Erz­gebirge geborene Pianist hatte an der Musikhochschule in Weimar studiert und ist seit zwanzig Jahren Bühnenpartner der 1,49?Meter großen Künstlerin.

Das Instrument in Krölpa hatte beide Musiker nach dem Einspiel inspiriert, ihr Programm kurzfristig umzustellen und einen anderen Begrüßungstitel anzustimmen. „Was treibt mich nur, immer zu singen, Musik lag mir schon immer im Blut“, sang die auch als „Lütte“ bekannte Solistin eingangs und sagte anschließend: „Wir haben schon an vielen Orten gespielt. Aber so einen Flügel gibt es nur in Krölpa. Dieser Flügel transportiert das Lied viel besser.“ Noch quittierte das Publikum das Dargebotene mit verhaltenem Beifall – um sich anschließend immer mehr bis hin zu lautstarkem ­Applaus zu steigern.

In Krölpa leben 1920-er Jahre Berlins wieder auf

Einer der Schwerpunkte des Liederabends waren vor und nach der Pause Titel der Sängerin Claire Waldoff (1884-1957, „Wer schmeißt denn da mit Lehm“). Hier kamen die charakteristische Präsenz und die Authentizität der 66-jährigen Sängerin besonders intensiv zum Tragen. Es war eine Erinnerung an die Zeit der 1920-er Jahre in Berlin. Angelika Mann hat für Revue und Kabarett der alten Berliner Art einen sicheren ­Instinkt. Claire Waldoff war bei ihr somit in den besten Händen.

Lieder in der Tradition von Tucholsky und Kreisler hat Frank Golischewski für die Sängerin geschrieben. Zwei davon erklangen am Sonnabend in Krölpa, aber auch schon vor neun Jahren auf der Burg in Ranis. Neben Golischewski gestaltete damals der gleichaltrige ­Peter Gläser die Veranstaltung. Angelika Mann, 66, erinnerte sich gut an diesen Auftritt, bei dem sie den 2008 verstorbenen ehemaligen Renft-Musiker Peter „Cäsar“ Gläser ein letztes Mal gesehen habe. „Wir hatten im selben Hotel gewohnt und haben die halbe Nacht miteinander erzählt“, verriet sie dem Publikum in Krölpa.

Dieses durfte sich auch die beiden Zugaben aussuchen und entschied sich spontan für „Versuch es doch mal mit Champagner“ aus dem Jahr 1977 und einen Titel von Janis Joplin („Mercedes Benz“).

Ihren Auftritt im Saale-Orla-Kreis würzte die „Lütte“ mit mehreren kurzweiligen Anekdoten aus ihrem künstlerischen Schaffen und ließ die Gäste auch wissen, dass die gefragte Theaterschauspielerin am Sonnabend eigentlich eine Verpflichtung in Lünen gehabt hätte. „Zum Glück habe ich eine Zweitbesetzung. Wir sind extra wegen Ihnen hierhergekommen“, schmeichelte sie dem Publikum in Krölpa.

Der Abend mit Angelika Mann und Uwe Matschke reihte sich würdig in die anspruchsvollen Programme ein, die es seit Eröffnung der Pinsenberghalle vor vier Jahren in Krölpa gegeben hat. Auch dieses Mal gab es mit Besuchern aus Ziegenrück, Ranis, Rudolstadt, Saalfeld, Gera und Pößneck wieder zahlreiche auswärtige Zuhörer, teilten Vertreter des Vereines Lese-Zeichen und der?Gemeinde Krölpa als gemeinsame Veranstalter am Rande des Konzertes mit.