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17.06.2015

Entschleunigter Abschluss gut besuchter Literaturtage auf der Burg Ranis

Thomas Rühmann (links) im Duett mit Tobias Morgenstern. Foto: Mario Keim

„Entschleunigt zum Ziel“ war am Sonntag der Abschlussabend der viertägigen 18. Thüringer Literatur- und Autorentage auf Burg Ranis über­schrieben.

„Entschleunigt Euch!“ lautete das Motto der Literaturtage, die damit zum ersten Mal unter ein Leitmotiv gestellt wurden, wie Ralf Schönfelder, Projektmanager der Literatur- und Kunstburg, sagte. Dazu passte der Programmpunkt mit dem Buch „Die Entdeckung der Langsamkeit“ von Sten Nadolny aus dem Jahr 1983, das Thomas Rühmann dem Publikum in Ranis meisterhaft vorstellte. „Er las nicht, er trug es vor, das hat mir sehr gut gefallen“, sagte Melanie Zein aus Ranis.

Der preisgekrönte Roman „Die Entdeckung der Langsamkeit“ des deutschen Schriftstellers Sten Nadolny handelt vom englischen Kapitän und Polar­forscher John Franklin, der wegen seiner Langsamkeit immer wieder Schwierigkeiten hat, mit der Schnelllebigkeit seiner Zeit Schritt zu halten, aber schließlich doch aufgrund seiner Beharrlichkeit zu einem großen Entdecker wird. „Der Roman ist bewusst nicht authentisch gehalten, denn die im Roman beschriebene Figur ist im Gegensatz zum realen Vorbild ein der Langsamkeit verpflichteter Mensch mit modernen Idealen“, heißt es dazu im Internetlexikon Wikipedia.

„Schauspielerisch und inhaltlich war es eine hervorragende Leistung“, wurde Thomas Rühmann von Besucher Wolfgang Lutz aus Langendembach bescheinigt. Rühmann, der sein Schauspielerdebüt 1983 im DDR-Film „Martin Luther“ gab und aus der ARD-Serie „In aller Freundschaft“ bekannt ist, wo er seit 1998 den Chefarzt Roland Heilmann spielt, stellte sich in Ranis auch als Musiker vor. Gemeinsam mit Tobias Morgenstern am Akkordeon spielte er einige Stücke von Gerhard Gundermann. Der ostdeutsche Liedermacher und Rockmusiker wäre in diesem Jahr 60 Jahre alt geworden. Der „singende Bagger­fahrer aus der Lausitz“, wie er von seinen Fans anerkennend genannt worden ist, galt bis 1990 als das Sprachrohr der Menschen im Lausitzer Braunkohlerevier. Das letzte Lied („S.O.S.“) stammte von Silly, der Text aber ebenfalls aus der Feder Gundermanns.

Rühmann und Morgenstern präsentierten sich während der 75 Minuten als eingespieltes Team, betreiben beide doch zusammen seit 1998 das „Theater am Rand“ im Dorf Zollbrücke im Oderbruch. Die Besonderheit dort: Die Besucher zahlen erst nach der Veranstaltung den Eintrittspreis, den sie für angemessen erachten.

Enttäuscht war Besucherin Regina Stumpf, weil es von Rühmann keine Autogramme gab, der auch auf eine Zugabe verzichtete und sofort verschwand. „Ich war schon auf dem MDR-Gelände in Leipzig und habe mir die fiktive Sachsenklinik angesehen“, sagte die Pößneckerin, die zu den Anhängern von „In aller Freundschaft gehört“. Klar war an diesem Tag, dass sich Rühmann mit Leidenschaft einer anderen Rolle hingab.

Insgesamt 1500 Besucher erlebten seit Donnerstag fünfzehn Veranstaltungen in Ranis. Das stimmte den veranstaltenden Lese-Zeichen e. V. zufrieden.