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16.11.2002

Engagierte Schriftsteller und breites Spektrum

von Frank Quilitzsch TLZ

Jena. (tlz) Mit dem besten Ergebnis seiner achtjährigen Geschichte geht heute
Abend der Jenaer Lesemarathon zu Ende. "In diesem Jahr schlagen wir alle
Rekorde", freut sich Angela Schubert, die gemeinsam mit der Leiterin der
Ernst-Abbe-Bücherei, Annette Kasper, den Veranstaltungsreigen vorbereitet und
begleitet hat. 1700 Besucher in 13 Lesungen, das entspricht einem Durchschnitt
von etwa 130 Leuten pro Abend. Da sind die Schullesungen mit Jenaer und
auswärtigen Autoren noch gar nicht mitgerechnet. "Wir betrachten dies als
Bestätigung dafür, dass wir mit engagierten Autoren und einem breiten Spektrum
von aktuellen, brisanten Themen für unser Publikum die richtige Wahl getroffen
haben", resümiert Angela Schubert.

Am höchsten in der Publikumsgunst standen die Lesungen von Heiner Geißler (500
Zuhörer), Wladimir Kaminer (240) und Sigrid Damm (220). Aber auch Autoren wie
Jutta Dittfurth, Landolf Scherzer und Frank Quilitzsch, dessen Buchpremiere
zusätzlich vom Offenen Hörfunkkanal ausgestrahlt wurde, sorgten für volle Säle.
Für den heutigen abschließenden Hesse-Abend mit dem Schauspieler Ezard Haußmann
rechnen die Veranstalter nochmals mit mehr als 150 Interessenten.

Martin Straub, als Geschäftsführer des Lese-Zeichen e. V. der dritte Organisator
im Bunde, möchte das Ergebnis nicht auf Besucherzahlen reduziert sehen.
"Wichtiger ist, dass das Buch mit seinen verschiedensten Facetten vom Krimi bis
zum artifiziellen Roman und vom Reise- bis zum politischen Sachbuch bereichernd
wahrgenommen wird", meint der Germanist. Besonders freue er sich, dass auch die
Thüringer Schriftsteller einen so großen Zulauf hatten.

Man werde auch künftig nicht ausschließlich auf Highlights setzen, sondern neben
Bestsellerautoren jenen eine Chance geben, die sich mit ihren literarischen
Beiträgen in der Öffentlichkeit erst noch durchsetzen müssen, erläutert Angela
Schubert das Prinzip. Straub sieht in der Kontinuität der Reihe und ihrem treuen
Stammpublikum Garanten für den Erfolg. Einst im Verbund mit dem Bertelsmann-Club
gestartet, muss der Jenaer Lesemarathon inzwischen finanziell selbstständig
laufen, was bei knappen Kassen immer schwieriger wird. Auch wenn die Stadt noch
3500 Euro zu den Honorarmitteln zugeschossen hat, ist man auf Sponsoren
angewiesen. "Ohne die Unterstützung durch die Friedrich-Naumann-Stiftung, die
Landeszentrale für politische Bildung, den Bödecker-Kreis und die Stadtwerke
Jena-Pößneck wäre dieser Marathon nicht mehr denkbar", so Straub. Es wäre
schade, wenn der 9. Lesemarathon 2003 wegen fehlender Mittel verkürzt werden
müsste. Der Starttermin steht bereits fest: Am 2. November soll es zum 100.
Volkshaus-Jubiläum eine Lesung mit einem bekannten Schriftsteller geben. Im
übrigen haben Jenaer Literaturfreunde über 700 Euro für eine Bibliothek und eine
Buchhandlung gespendet, die vom Hochwasser zerstört wurden.

! Finale: Ezard Haußmann liest Hermann Hesse, Sonnabend, 19.30 Uhr,
Ernst-Abbe-Bücherei Jena