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18.11.2005

Engagement im Namen der Palme

von Jens-F. Dwars TLZ

Jena. (tlz) Es gibt ihn noch, den "Palmbaum" - die älteste und momentan einzige Literaturzeitschrift in Thüringen. Seit nunmehr 13 Jahren erscheint sie ununterbrochen. Die letzten drei Ausgaben wurden ohne einen Cent öffentlicher Fördermittel gedruckt, sind dem Engagement der ehrenamtlichen Redaktion und der Unermüdlichkeit vieler Autoren zu verdanken, die auf ihr Honorar verzichten. Und das sind keine Anfänger: von Volker Braun und Matthias Biskupek reicht die Liste der Beiträger, über Klaus von Dohnanyi, Wulf Kirsten und Gisela Kraft bis hin zu Lutz Rathenow und Friedrich Schorlemmer, um nur wenige zu nennen.

Gegründet wurde die Zeitschrift 1993 von dem Germanisten und Verleger Detlef Ignasiak, der auch den Trägerverein ins Leben rief: die Thüringische Literarhistorische Gesellschaft Palmbaum e.V. Deren Vorbild ist die "Fruchtbringende Gesellschaft", eine Adelsvereinigung, die sich 1617 in Weimar die Pflege der deutschen Sprache und Literatur auf ihre Fahnen schrieb.

Das Symbol der Fruchtbringer war nicht der einheimische Tannenbaum, sondern die exotische Palme: Ein Zeichen für Weltoffenheit und Nützlichkeit, denn mit ihren Früchten und Blättern galt sie als ein besonders nutzbares Gewächs. "Alles zu Nutzen" lautete daher der Wahlspruch der barocken Gesellschaft, der ihr erstes Mitgliederverzeichnis schmückte. Und genau dieser Titelkupfer fand sich bislang auf dem Einband der Zeitschrift.

Ihr jüngstes Heft ist soeben erschienen: das vierzigste! Im Titelthema geht es diesmal um Menantes. Um die Wiederentdeckung eines lange vergessenen Barockdichters, in dessen Geburtsort Wandersleben im September eine Gedenkstätte eröffnet wurde. Die TLZ widmete dem Ereignis bereits eine Treffpunkt-Titelseite. Der Münchner Olaf Simons ist für den "Palmbaum" dem "Skandalautor" nachgegangen, der 1706 aus Hamburg fliehen musste.

Ein spannender Beitrag ganz anderer Art: "Was können Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst einander geben?" Das Protokoll einer Gesprächsrunde über Kultursponsoring in Zeiten knapper Kassen, an der im Rahmen der Jenaer Schiller-Ausstellung u. a. Jenoptik-Chef Alexander von Witzleben und der Rektor der Friedrich-Schiller-Universität, Klaus Dicke, teilnahmen. Ihr Credo: Kräfte bündeln und endlich ernst machen mit dem Goethe-Wort von der Doppelstadt Jena-Weimar.

Pünktlich zur Verleihung des Thüringer Literaturpreises bringt das Heft ein ausführliches Gespräch mit der Preisträgerin Sigrid Damm über ihre viel gelesene Schiller-Biographie. Ein weiterer Beitrag erinnert an Thomas Manns Weimar-Besuch von 1955. Neue Prosa gibt es u. a. von der Döblin-Preisträgerin Kathrin Groß-Striffler und einen Gedichtzyklus von Astrid Schleinitz.

Das nächste Heft erscheint Weihnachten, dann bereits in neuem Gewand. Fortan wird jeder Einband von einem anderen Thüringer Grafiker gestaltet. Natürlich im Zeichen der Palme.

i Palmbaum. Literarisches Journal aus Thüringen. 13. Jahr / 2005 / Heft 1/2, erhältlich über den Buchhandel (ISSN 0943-554X) oder über www.quartus-verlag.de