Presse - Details

 
11.04.2007

Einer zwischen allen Stühlen

von Michael Groß Ostthüringer Zeitung

Jens-Fietje Dwars aus Jena schreibt erste umfassende Peter-Weiss-Biographie

Jena (OTZ). Am morgigen Donnerstagabend um 20.15 Uhr wird in die Thalia-Buchhandlung in der Neuen Mitte zu einer Lesung eingeladen. Der Jenaer Grimme-Preisträger Jens-Fietje Dwars stellt sein neues Buch "Und dennoch Hoffnung. Peter Weiss. Eine Biographie" vor. OTZ sprach mit dem Autor vorher.
Herr Dwars, haben wir in Sachen Peter Weiss nicht schon von Ihnen gehört?

So ist es. Im Jahr 2004 hatte ich das Drehbuch für den Film "Der Unzugehörige: Peter Weiss" geschrieben und dafür auch den Adolf-Grimme-Preis erhalten.

Nun also das Buch zum Film?

Ja, und es kommt rechtzeitig vor seinem 25. Todestag im Mai dieses Jahres.

Warum haben Sie gerade Peter Weiss entdeckt?

Ich habe ihn 1984 für mich entdeckt, als wir an der Jenaer Universität einen Literatur-Arbeitskreis hatten. Seitdem hat Weiss mich nicht mehr los gelassen.

Welche Bedeutung hat Weiss?

Es handelt sich um einen der wichtigsten Autoren deutscher Nachkriegsliteratur, der 1982 auch für den Literatur-Nobel-Preis vorgeschlagen war und der nach längerer Vergessenheit derzeit wieder neu entdeckt wird.

Ist Ihr im Aufbau Verlag erschienenes Buch die erste Weiss-Biographie?

Es ist die erste umfassende Darstellung von Leben und Werk des Peter Weiss. Bisher gab es nur Kurzbiographien.

Was bringen Sie den Lesern für Erkenntnisgewinn?

Ich stelle den Menschen Weiss vor - wie er 1939 mit seinen Eltern Deutschland verlässt und ins schwedische Exil geht, erste Schreibversuche unternimmt und dabei auch die Unterstützung von Hermann Hesse findet und wie er als Experimentalfilmer und junger Autor in West und Ost für Schlagzeilen sorgt.

Welche Werke gelten als stärkste Hinterlassenschaften?

Allen voran natürlich das als Jahrhundertroman gefeierte dreibändige Buch "Ästhetik des Widerstands". Aber auch seine Theaterstücke "Marat/Sade" und "Die Ermittlung" haben Geschichte geschrieben. Und sein "Abschied von den Eltern" ist heute sogar Schulstoff.

Sind denn die Themen des Peter Weiss noch aktuell?

Aber ja, zum Beispiel seine Auseinandersetzung mit Auschwitz in "Die Ermittlung" ist noch immer hochinteressant. Er lässt einfach die Täter aus den Protokollen der Gerichtsverhandlungen sprechen. Damit fand er sogar Anerkennung in der DDR.

Das aber blieb nicht so.

Er hat sich oft zwischen alle Stühle gesetzt. Als er 1968 den sowjetischen Einmarsch in Prag kritisierte und ein Stück über Trotzki schrieb, hatte er es mit den DDR-Mächtigen verscherzt.

Haben Sie mit Zeitzeugen gesprochen?

Ich bin mit der noch immer in Schweden lebenden Witwe von Peter Weiss zusammengetroffen und habe mit seinem besten Freund im Osten Deutschlands, Manfred Haiduk gesprochen.

Ist das Buch schon zu haben?

Ich hoffe sehr, dass es spätestens zur Lesung am Donnerstag in den Buchläden ausliegt.