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09.02.2013

Einen Orden am "Gummibande"

von Frank Quilitzsch TLZ

Weiter im Unruhestand:Martin Straub feiert am 10. Februar seinen 70. Foto: Quilitzsch

Dem Thüringer Literaturaktivisten Martin Straub zum 70. Geburtstag, der am Sonntag in Jena mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt wird.

 

Jena. Ein Leben ohne Bücher ist für Martin Straub einfach nicht vorstellbar. Für den habilitierten Jenaer Literaturwissenschaftler waren sie zunächst jahrzehntelang Objekte seiner Forschungen - vor allem zur DDR-Literatur. Und noch heute hält er dieser Seite seiner Bücherliebe die Treue, was jüngste Studien zum Werk Wolfgang Hilbigs beweisen. Die andere Seite gilt ganz und gar lebenden Autoren, Thüringer vor allem, und hält ihn fit. Denn nach der Wende startete der gebürtige Dresdner noch einmal neu durch und eröffnete 1993 das Thüringer Regionalbüro der Stiftung Lesen, aus dem 1995 das Regionalbüro zur Autoren- und Leseförderung hervorging.

Wer hierzulande auf literarischem Felde tätig ist - sei es als Autor, Bibliothekar oder Lehrer -, wird ihn vor allem als Mitbegründer des Thüringer Lese-Zeichen e."V. kennen und schätzen, dessen Vorsitz er viele Jahre bekleidete. Dass der in Jena ansässige Förderverein des Verbandes deutscher Schriftsteller, der nicht nur die Literaturtage auf Burg Ranis und den Jenaer Lesemarathon ausrichtet, sondern zudem zahllose Projekte mit Schulen anstößt und neuerdings auch Kunstausstellungen organisiert, 2003 mit dem Thüringer Kulturpreis ausgezeichnet wurde, war vor allem auch sein Verdienst.

Als passionierter Langstreckenläufer erklimmt "Bruder Martin", wie Straub von Freunden genannt wird, noch immer die Jenaer Kernberge und ist als Mitglied des Thüringer Literaturquintetts (TLQ) wegen seiner selbstverfassten, heiteren Anekdoten aus dem hiesigen Kulturleben ein gern gehörter Mann. Dass ihm der für Bildung und Kultur zuständige Minister morgen das Bundesverdienstkreuz am Bande umhängen will, findet der rastlose Literaturaktivist, der am Sonntag 70 Jahre alt wird, ein bisschen übertrieben.

Gleichwohl haben sich prominente Leute, wie zum Beispiel der zu DDR-Zeiten aus Greiz vertriebene Lyriker Reiner Kunze, für diese Ehrung eingesetzt. Thüringens Kulturminister Christoph Matschie (SPD) würdigt besonders des Literaturmanagers Straub "Leidenschaft", die "weit über das normale Maß bürgerlichen Engagements hinaus" gehe. Wenn schon einen Orden am Bande, dann wenigsten "am Gummibande", so Straub, damit jener all die anderen mit einfasse, die ihn genauso verdient hätten wie er.