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27.11.2007

Einem Sagengeheimnis von Neustadt auf der Spur

von sh Ostthüringer Zeitung

Rainer Hohberg stellt morgen sein Buch vor

Neustadt/Ranis (OTZ/sh). Der Reiz der Sagen liegt in ihrer besonderen Mischung aus Wahrheit und Phantasie, aus Realem und Gespensterglauben. Diese Mischung fasziniert Rainer Hohberg, Autor aus Hummelshain. Als Sagendetektiv reiste er deshalb quer durch Thüringen, untersuchte die Sagenorte, befragte Menschen der Region, recherchierte in Forschungsergebnissen von Historikern und Archäologen, Volks- und Landeskundlern, sammelte Beweise, um zu "ermitteln", was an elf charakteristischen Sagen Thüringens wahr ist. Seine dabei gewonnenen und sehr interessanten Erkenntnisse sind in dem Büchlein "Thüringer Sagengeheimnisse" nachzulesen, das soeben im Tauchaer Verlag erschienen ist.
Fesselnd und kurzweilig lässt der Autor den Leser an seinen Gedankengängen und seinen in Recherchen gewonnenen Ergebnissen teilhaben. Diese sind für den Leser ebenso lehrreich wie spannend und so geht es ihm mitunter wie dem Autor selbst, der in seinem Vorwort befand, dass "die realen Hintergründe mancher alter Überlieferung verblüffend und aufschlussreich sind - mitunter spannender als die Sage selbst". So ist auf der Suche nach dem Funken Wahrheit in der Sage vom eingemauerten Kind auf Burg Liebenstein zu erfahren, dass auf Burg Ranis im 19. Jahrhundert beim Abbruch der Burgkapelle in einem 30 Zentimeter tiefen Loch unter anderem ein Leinenhemd und Knochen von einem vier bis sechs Monate alten Kind geborgen wurden.

In der Region der Orlasenke geht Rainer Hohberg speziell dem Rätsel der Kröte am Rathaus in Neustadt nach. Schon seit Jahrhunderten hängt die steinerne Kröte an einem eisernen Bügel rechts neben dem Eingang an der Marktfassade des Rathauses. Und die Sage um das steinerne Gebilde wird noch heute in ihren Grundzügen so erzählt, "wie sie erstmals 1841/43 in der Arnstädter Zeitschrift "Thuringia" veröffentlicht worden ist".

In der Sage stehe die Geschichte um den 24 Kilogramm schweren Krötenstein auf dem Kopf, fand Rainer Hohberg heraus. Bei dem Krötenstein handle es sich um einen mittelalterlichen Schandstein, der als Straf- und Zuchtmittel um den Hals gehängt wurde. "Neustadt/Orla erwarb 1411 die Nieder- und 1483 die Hochgerichtsbarkeit. In dieser Zeit wird auch hier die ganze Palette der oft grausamen, zumindest sehr strengen mittelalterlichen Strafmethoden angewandt worden sein", schreibt der Autor.

Welche Bedeutung die Kröte und die Schlangen auf dem vermutlich im 14. Jahrhundert entstandenen Neustädter Schandstein haben und wie der Stein später zum Gegenstand einer Sage wurde, wird Rainer Hohberg sicher während seiner Lesungen am morgigen Mittwoch um 19 Uhr in der Stadtbibliothek Neustadt und am 6. Dezember ab 19.30 Uhr auf der Burg Ranis verraten. Für die Veranstaltung in Neustadt ist der Eintritt frei, es wird jedoch um Reservierung unter Tel. 036481/2 29 01 oder per E-Mail an stadtbibliothek@neustadtanderorla.de gebeten.