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29.10.2007

Eine magische Nacht in der Bilke

von Peter Cissek Ostthüringer Zeitung

Gut 130 Fans feiern in den mitternächtlichen Verkaufsstart des letzten Potter-Bandes hinein

Von OTZ-Redakteur Peter Cissek Pößneck. Die Pößnecker Stadtbibliothek Bilke verwandelte sich in der Nacht zum Samstag für fünf Stunden in das Zaubererinternat Hogwarts. Gut 130 Harry-Potter-Anhänger warteten mit spitzen Magierhüten, teils geschminkt und mit Kostümen verkleidet auf den mitternächtlichen Verkaufsstart des siebten und finalen deutschsprachigen Bandes der Zauberlehrlingsgeschichte.
"Ich bin ein Fan der Zauberei, der Art, wie man auf Hogwarts zaubert", sagte die zehnjährige Annalena Schmidt der OTZ. Die junge Pößneckerin hat bislang alle fünf Potter-Filme gesehen und sich für die große Lesenacht in der Bilke einen Platz in der ersten Reihe gesichert. "Ich hoffe, dass Harry nicht aufgibt und das alles gut ausgehen wird", sagte die Blondine im schwarzen Gewand und dem Magierhut. Doch bevor sie das neue, bei GGP media in Pößneck gedruckte Buch "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" in die Hand nehmen konnte, hielt Hendrik Püschel von der Rudolstädter Veranstaltungsagentur Andreas Dornheim als Prof. Tiberius Sniffelbiff, der neue Lehrer für die Geschichte der Zauberei auf Hogwarts, erst mal einen Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse der bisherigen sechs Bände der Potter-Saga. Er erinnerte, wie der schreckliche Lord Voldemort die Eltern des gerade einjährigen Harry umbrachte, wie Potter später im Zaubererinternat Ron und Hermine als Freunde gewinnt und wie ihm diese im sechsten Band ihre Loyalität versichern, als Harry im siebten Schuljahr nicht nach Hogwarts zurückkehren, sondern Lord Voldemort töten will. Wie Sniffelbiff im Dialog mit dem Publikum erfuhr, haben nur wenige Besucher der Lesenacht alle bisherigen sechs Bände der Potter-Saga gelesen oder alle fünf Filme gesehen. So enthielt seine kurze Rückschau zahlreiche Fakten, die den Besuchern beim Ausfüllen des 15 Fragen langen Quizbogens behilflich sein konnten. Doch von den 79 abgegebenen Zetteln waren nur 29 komplett richtig ausgefüllt. Die Hauselfen, wie Sniffelbiff Kulturamtsleiterin Dr. Julia Dünkel und Stadtmuseumsleiterin Christel Ziermann bezeichnete, vergaben die von den Pößnecker Buchhändlern bereitgestellten Sachpreise. Den 3. Preis, ein Zauberbuch, konnte Jessica Schröter aus Langenorla entgegennehmen. Anja Lindae erhielt einen Harry-Potter-Kalender, Franz Kösser als Hauptgewinner als erster die neueste Ausgabe von "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes".

Noch vor der Verlosung sorgte der Sonneberger Magier Phantaro für Verzauberung. Egal ob Karten, Münzen, Hase, Ringe oder Luftballons: Er ließ sich bei vielen seiner Tricks von Kindern aus dem Publikum assistieren; in dieser Nacht waren sie dann selbst Zauberlehrlinge. Mitarbeiter des Cafés Spitzer boten ein pottermäßiges Buffet mit Mumienspießen, gehackten Würmern in Ekelsoße und Wickelbrot sowie kleinen Zauberkuchen zur Stärkung an.

Um 0.01 Uhr kam dann der Moment, auf den viele Fans gewartet haben. Pünktlich zur Geisterstunde durften die beiden Pößnecker Buchhandlungen - wie alle anderen in Deutschland - den neuen Potter verkauften. Doch der Ansturm blieb aus. Nur etwa ein Viertel der jeweils 50 Bücher konnten die Buchhandlung Arthur Müller und die Buchhandlung am Markt in der Stadtbibliothek verkaufen. "Viele Kinder wurden von ihren Eltern begleitet. Meist kauft man sich nur ein Buch pro Familie", erklärte Buchhändlerin Katrin Gottstein, warum ein Gast nicht gleich ein verkauftes Buch bedeutet. Anne Schubert aus Ranis schmökerte nach Mitternacht im Potter ihrer Freundin. "Meine Oma hat beim Weltbild-Verlag ein Buch für mich bestellt, das noch nachts ausgeliefert wird. Das werde ich nach dem Aufstehen vermutlich in einem Ritt lesen", sagte die 13-Jährige. "Ich hoffe, dass es spannend wird. Harry darf auf jeden Fall nicht sterben."

Bevor die Besucher selbst zum Schmökern kamen, ließen sie sich im Wechsel von den Schauspielern Philipp Heine (Weimar), der seine erkrankte Kollegin Alexandra Janizewski vertrat, und Bernhard Dechant (Jena) aus der Potter-Saga vorlesen. Als Dechant um drei Uhr nachts das Buch schloss, war er auf Seite 69 angelangt - von insgesamt 767.