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13.04.2012

Eine gute Beobachterin in Ranis zu Gast

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Stadtschreiberin Carola Gruber aus München sieht ihre Zeit in Ranis als Geschenk und weilt derzeit mehrere Wochen in der Burgstadt. Foto: Mario Keim

Die Stadtschreiberin Carola Gruber bewertet ihren Aufenthalt in Ranis als Geschenk. In ihrem zweiten Stadtschreibergespräch hat sie bereits zwei Kurzgeschichten vorgestellt. Geplant ist ein Kurzgeschichtenband über ihre Zeit in Ranis.

Ranis. Viele Notizen hatte sich Carola Gruber beim Stadtschreibergespräch am Mittwochabend in der Raniser Gaststätte "Zur Schmiede" gemacht. Gab es doch in der geselligen Runde unter den anwesenden Literaturfreunden einen regen Austausch von Anekdoten aus der Burgstadt. Notizen gehören zu ihrem Handwerk. "Auch Frau Tuckermann hatte immer ein kleines Büchlein dabei und aufgeschrieben, was ihr eingefallen ist", erinnerte Gastwirt Hubert Weiße an die Stadtschreiberin der Jahre 2000/2001. "Man muss also aufpassen, was man sagt", scherzte der Wirt, der Carola Gruber in seinen Räumen schon einige Male begrüßen konnte. "Ich spiele manchmal Mäuschen beim Skatabend", verriet die 28-Jährige, die am Mittwoch bei ihrem zweiten Stadtschreibergespräch zwei Kurzgeschichten vortrug. "Auf dem Rücken der Ziege" enthielt Beobachtungen während eines Spazierganges durch die Stadt Ziegenrück. "Die Porzellansammlung" erinnerte an die Ausstellung auf der Burg Ranis. "Wo ist denn die Vitrine", wollte Museumsleiterin Elke Francke gleich wissen und Bürgermeister Andreas Gliesing fügte spaßig an: "Wenn das Buch ein Renner wird, müssen wir über die Erhöhung der Eintrittspreise nachdenken."

Einen Kurzgeschichtenband plane Carola Gruber auch über ihre Raniser Zeit, sagte sie und weckte bereits die Vorfreude auf ihr Buch. Sie sei eine "sehr gute Beobachterin", bescheinigte ihr nicht nur Hubert Weiße. Carola Gruber, die im Januar ihre Promotion in Literaturwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München verteidigt hat, überzeugt dabei nicht nur mit dieser Gabe. Sie entwickelt beim Schreiben auch jene Phantasie, die den Leser fesselt, wie die Reaktionen am Mittwoch belegten. In Ranis habe sich die Autorin gut eingelebt, nachdem sie Anfang März ihr Quartier bezog. Bis Ende Mai ist sie hier zu Gast, sodass sie ihre 100 Tage Wohnrecht als Stadtschreiberin "am Stück" wahrnimmt. Die Schriftstellerin, die Ror Wolf und Thomas Bernhard neben anderen zu ihren Lieblingsautoren zählt, würde sich mit dem Wissen und den Eindrücken der zurückliegenden Wochen auf alle Fälle noch einmal für das Stipendium in Ranis bewerben. "Es ist so, wie ich es erwartet habe", sagte sie. Den Aufenthalt hier sehe sie als "eine geschenkte Zeit", die sie in vollen Zügen genieße.