Presse - Details

 
25.01.2012

Eine große Liebe im Schatten der Mauer

TLZ

"Papierne Küsse": Lesung an einem authentischen Ort

Jena. Eine Lesung der besonderen Art gibt es heute, 20 Uhr, im Hörsaal 250 des Hauptgebäudes der Friedrich-Schiller-Universität: Die Schriftstellerin und Mitarbeiterin am Hamburger Institut für Sozialforschung, Karin König, fand vor Jahren in einem Kleiderschrank in einer Blechdose einen Bündel Briefe. Geschrieben wurden sie zwischen 1962 und 1964 von der Jenaer Germanistik-Studentin Ingeborg König an ihren Geliebten Traugott in Westberlin, der sich später als Sartre-Übersetzer einen Namen machte. Karin König entschloss sich, diese intimen zeitgeschichtlichen Zeugnisse unter dem Titel „Papierne Küsse“ herauszugeben. Geben sie doch nicht nur Auskunft über den Jenaer Alltag aus der ersten Hälfte der sechziger Jahre, sondern sie berichten anschaulich und höchst lebendig über das Studentenleben. Deshalb gehen die Veranstalter, der Lese-Zeichen e.V. und die Geschichtswerkstatt, auch an einen authentischen Ort. Denn in jenem Hörsaal 14, heute 250, fanden viele Lehrveranstaltungen für die Germanisten statt. Und so erfährt man etwas über langweilige und anregende Vorlesungen, etwa über die von Prof. Joachim Müller, den die Studentin besonders verehrt. Auch um die Arbeit der Studienbühne geht es. Erstaunlich viel ist von Lektüre-Erfahrungen die Rede, natürlich auch von Ernteeinsätzen, Geldsorgen und von Wünschen junger Leute angesichts einer grauen Mangelwirtschaft. Auch darüber, wie sich bei all dem die Stasi ins Spiel bringt. Ingeborg König floh 1964 nach Westberlin. Sie stirbt mit 22 Jahren nach einer missglückten Abtreibung.
Dr. Peter Braun wird die Veranstaltung moderieren und nach der Lesung von Karin König mit Zeitzeugen ins Gespräch kommen.

Die Veranstaltung wird von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen gefördert. Der Eintritt ist frei.