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15.05.2004

Ein Zeichen wider die flache Sprache

von Anja Büchner TLZ

TLZ fragte Jenaer nach ihrem liebsten deutschen Wort

Jena. (tlz) Die deutsche Sprache verflacht. Dagegen möchte der Deutsche Sprachrat nun ein Zeichen setzen. Das Gremium sucht das schönste deutsche Wort kein leichtes Unterfangen, wie eine TLZ-Umfrage in Jena zeigte. In dem internationalen Projekt unter Leitung des Goethe-Instituts in München sind
Muttersprachler wie Deutschlernende aufgefordert, Vorschläge zu unterbreiten. Ob besonders kurz und prägnant oder üppig und ausschweifend, humorvoll, nachdenklich stimmend oder zum Träumen anregend die Wahl muss begründet werden und die besten Einsendungen werden prämiert. Dr. Martin Straub von Jenaer Verein Lesezeichen begrüßt die Aktion. Unser Alltagswortschatz wird immer mehr reduziert und von Klischees bestimmt. Die Frage nach einem schönen Wort zwingt uns, mal darüber nachzudenken, was für uns besondere Bedeutung hat. So komme man in dieser schnelllebigen, flüchtigen Zeit auch mal ins Grübeln über die Zustände in unserer Gesellschaft und zur Besinnung auf sich selbst. Barmherzigkeit ist für Straub so ein schönes Wort. Darin stecken Erfahrungen, Erinnerungen, Wertschätzungen. Margrit Knauth benennt wohlerzogen. Weil es wichtig sei, dass Kinder Anstand lernen. Das vermisst sie heute bei manchen. Auf den Sonnenaufgang fällt die Wahl von Heinz Bürger: Der spendet allmorgendlich Optimismus. Ähnlich empfindet Sigrid Friedrich beim Wort Frühling.
Tatsächlich bringt die Frage manchen Jenaer dazu, zunächst die Bedeutungsinhalte eines ansonsten selbstverständlich gebrauchten Begriffs zu hinterfragen. Das Gewissen wählt Kay Sodo, weil Wissen drinsteckt das Wissen, ob man richtig oder falsch handelt, weil es in einem ist und man in sich hinein sehen muss. Keinen Augenblick des Zögerns gab es lediglich bei Franz Brehmer: Liebe. Weil die Liebe die Menschen am besten verbindet.