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05.05.2012

Ein Wiedersehen in Ranis

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Wiedersehen in Ranis: Annette Gröschner aus Berlin (links) mit Stadtschreiberin Carola Gruber. Foto: Mario Keim

Amtierende Stadtschreiberin Carola Gruber trifft zur Lesung mit Annette Gröschner ihre ehemalige Dozentin wieder.

Ranis. Ein herzliches Wiedersehen gab es am Donnerstagabend zur monatlichen Lesung in Ranis. Die amtierende Stadtschreiberin Carola Gruber traf dabei auf ihre ehemalige Dozentin aus ihrer Studienzeit in Hildesheim. "Ich habe sie sofort wiedererkannt", sagte Annette Gröschner, die aus ihrem neuesten Buch "Walpurgistag" las. Das Werk ist im vergangenen Jahr in der Deutschen Verlags-Anstalt erschienen.

"Wir wollten Annette Gröschner sowieso gern wieder einmal bei uns haben. Jetzt ist es uns gelungen, ein zeitnahes Thema zu bieten", sagte Dr. Martin Straub vom Verein Lese-Zeichen, dem Veranstalter der Lesung. Schon einmal war die 48-Jährige in Ranis zu Gast. In ihrem jüngsten Roman widmet sich die überzeugte Wahl-Berlinerin dem 30. April - jenem Tag, an dem in Berlin in der Walpurgisnacht die berüchtigten Krawalle aufgetreten waren. Auch Annette Gröschner ist froh darüber, dass die Walpurgisnacht in diesem Jahr weitestgehend friedlich geblieben ist. "Angefangen hat die Walpurgisnacht als friedliches Hexenfest, bis es die Autonomen okkupiert haben", weiß die Schriftstellerin. Für ihr Buch "Walpurgistag" hat sie 2002 in Aufrufen im Radio Menschen gesucht, die ihren Alltag schildern. Rund 100 Personen haben sich gemeldet. Deren Handlung wurde in ein literarisches Gewand gekleidet. Das Geschehen der handelnden Personen wird aneinander gereiht wie in einem Tagebuch.

"All diese Lebensgeschichten verweben sich zu einem dichten Netz, das sich über die Stadt legt, sodass Berlin selbst zu einem der Protagonisten wird, seine Gegenwart wie Vergangenheit", heißt es in dem Klappentext zum Buch.

"Berlin ist der Ort, an dem ich schon immer leben wollte, der aber vielen Veränderungen unterliegt, wo man nicht genau weiß, in welche Richtung es geht", sagt Gröschner über ihren Lebensmittelpunkt. "Ich wollte Leute haben, die schon lange in Berlin leben und möglichst hier geboren sind, also Leute, die die Veränderung in der Stadt sehen. Und es sollten keine reichen Leute sein: Dazu zählt die ältere Frau, die 50 Jahre nach ihrem Einzug ihre Wohnung verlassen muss, weil die Immobilie im Stadtbezirk Prenzlauer Berg aufgrund des Eigentümerwechsels "entmietet" werden soll. Auch Gröschner ist dort zu Hause und stellt fest, "dass es 1983 nur ältere Leute dort gab. Das hat sich bis heute extrem geändert." Die Schriftstellerin, die viel journalistisch gearbeitet hat, lässt mit ihren unterhaltsamen Geschichten hinter die Fassaden der Großstadt blicken.