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10.05.2014

Ein Wiedersehen in Ranis: Hellmuth Karasek liest

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Ein Blick in die voll besetzte Breitenbuchhalle auf Burg Ranis während der Lesung von Hellmuth Karasek.Foto: Mario Keim

Hellmuth Karasek erzählt zum regionalen Auftakt der 17. Thüringer Literatur- und Autorentage auf Burg Ranis

Ranis. So hatten es sich die meisten Besucher am Donnerstag in Ranis gewünscht: Hellmuth Karasek kam zur besten TV-Sendezeit, begrüßte freundlich seine Zuhörer in der ausverkauften Breitenbuchhalle und fügte ­anschließend über 90 Minuten Redezeit einen Witz an den anderen. Mal ein wenig abschweifend mit kurzen Erläuterungen, ehe der Hamburger passend zur jeweiligen Pointe Applaus und Gelächter erhielt.

Den Stapel aus sieben Büchern, den er dabei hatte, hätte er kaum gebraucht. Nur zweimal las er daraus vor, unter anderem aus seinem 2013 im Hamburger Verlag Hoffmann und Campe erschienenen Buch "Frauen sind auch nur Männer", eine Sammlung von Glossen.

Der Bücherstapel erinnerte ein wenig an die Zeit, als ­Hellmuth Karasek im ZDF von 1988 bis 2001 an der Seite von Marcel Reich-Ranicki das ­"Literarische Quartett" prägte. Nicht nur unter Literatur-Fans hatte die Sendung so etwas wie Kultcharakter. "Ich habe mir die Sendung wöchentlich ange­sehen" sagte Besucher Gerd Weedermann, der sich nach der Lesung Karaseks jüngstes Buch gekauft hat. "Mir hat es sofort ­gefallen. Beim ersten Blättern ist mir aufgefallen, dass er einige Episoden daraus vorgetragen hat", verriet der Dobianer. "Ich bestehe auch nicht darauf, dass der Autor immer gleich das ­Neueste vorlesen muss", fand Gerd Weedermann. "Die ­Lesung hat mir hervorragend gefallen."

Der hohe Bekanntheitsgrad des 80-Jährigen lockte auch einige Gäste das erste Mal auf die Kunst- und Literaturburg in Ranis. Doch auch treue Begleiter unter den Besuchern fanden sich wieder auf der Burg ein. "Er ist geistig hellwach und hat sich nicht verändert", erinnerte sich der Raniser Manfred Baum an den Aufenthalt Karaseks vor zwölf Jahren anlässlich der Thüringer Literatur- und Autoren­tage. Damals zeigte sich der Gast aus Hamburg erschrocken vom Anblick der Burg.

Darauf angesprochen, lachte er angesichts der inzwischen ­sanierten Burg und nutzte seine Freude auch beim Signieren der Bücher. "Herzlich Hellmuth Karasek. Beim Wiedersehen mit Burg Ranis, 8. Mai 2014", schrieb er mit einem Füllfederhalter und nutzte fürs Signieren die kompletten 30 Minuten Pause und eine ganze Weile nach dem Ende der Lesung.

Doch Karasek erzählte nicht nur pausenlos Witze, er führte die Besucher auch in die Theorie und Herkunft der Witze ein ("Die Juden sind die besten Witze-Erzähler"). Besonders lustig wurde es, wenn er seine Witze in verschiedenen Dialekten, mal schwäbisch, mal französisch und mal sächsisch, vortrug.

Kein Lebensbereich, der bei Karasek nicht für einen Witz taugt. Der Literaturkritiker, Journalist, Autor und Talkshow-Star macht daraus seit seiner Jugend ein Stück Kultur, die bei den Menschen ankommt.

"Ich mag Hellmuth Karasek sehr. Er ist sehr authentisch", sagte Margot Kießling aus Ranis. Auch Bürgermeister Andreas Gliesing (Christliche Mitte/Gewerbeverein) freute sich am Donnerstag über den großen Zuspruch, der ihn aber nicht sonderlich überraschte: "Die Autoren bringen immer einen Fanclub mit. Der von Herrn Karasek ist weiter gestreut."

Für Andreas Berner, dem Vorsitzenden des gastgebenden Vereins Lese-Zeichen, war die Lesung der würdige Anlass, die diesjährigen Thüringer Literatur- und Autorentage auf Burg Ranis zu eröffnen.