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28.07.2006

Ein unwürdiger Vorgang

von Wolfgang Leissling Thüringer Allgemeine

"Ich war erschrocken, dass so etwas möglich ist", bekannte entrüstet die Pröpstin zu Erfurt-Nordhausen, Elfriede Begrich, als sie von der auf Wunsch der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Hildigund Neubert, entfernten Tübke-Grafik aus dem Landtag erfahren hatte.

ERFURT. Für die Pfarrerin steht Neuberts Haltung für den "erstarrten Dogmatismus, alles, was irgendwie zur DDR gehört, in eine Schublade zu stecken". Der Vorgang "war unwürdig und kann nur als "Akt der Entmündigung einer Gesellschaft auf dem Weg zur Demokratie gewertet werden". Besonders erfreut hat die Pröpstin, dass der Direktor der Gedenkstätte Buchenwald, Volker Knigge, eine Fassung des so einseitig kritisierten Blattes aus der Weimarer Galerie profil für die Sammlung seines Hauses erwarb. "Dies kann ich nur uneingeschränkt und mit Dank und Respekt begrüßen." Mit dem Kauf wurde "in überzeugender geschichtlicher und kunstgeschichtlicher Argumentation eine Tatsache geschaffen, die nun das Bild vor weiterer ideologischer Einseitigkeit bewahrt".Am Besten wäre es, das Blatt käme wieder an seinen alten Platz, verbunden mit Belegen für den Bilderstreit, um Interessierten Gelegenheit zu bieten, eigene Gedanken zu entwickeln. Da wäre Raum für jene Zwischentöne in der Sicht auf einen großen Künstler in schwieriger Zeit, den der Blick von Neubert vermissen lässt. "So etwas hatten wir schon einmal", meinte Elfriede Begrich und betonte gestern gegenüber dieser Zeitung, auch persönlich mit Hildigund Neubert reden zu wollen.