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17.02.2011

Ein Spendenabend für Martin Stiebert: Spaziergang durch die Thüringer Literatur

von Stephan Laudien Jenapolis

Foto: Martin Herzog


Jena. Auf die Jenaer Kunstfreunde ist Verlass: Am gestrigen Abend (15. Februar) war der Andrang auf Raum 10/11 der Ernst-Abbe-Bücherei so groß, dass die Stühle nicht ausreichten. Wer mochte, konnte am Rande des Podiums ein Plätzchen finden; etliche Gäste blieben stehen.

Gekommen waren die Besucher, um acht Thüringer Autoren bei einer Lesung zu erleben, vorrangig jedoch, um ein Zeichen der Solidarität mit dem Jenaer „Vorleser“ Martin Stiebert zu geben. Der gesamte Erlös der Benefiz-Veranstaltung geht an Stiebert: Es kamen sage und schreibe 2 250 Euro zusammen.

Die Autoren boten keinen Parforce-Ritt, sondern einen Spaziergang durch die Thüringer Literaturszene an. Viel Neues, viel Interessantes gab es auf diesem Spaziergang zu entdecken. Vornehmlich neue Texte waren zu hören, deren Reigen von Jens-Fietje Dwars eröffnet wurde. Nach der „Audienz am Dienstag“ gab die amtierende Stadtschreiberin Bärbel Klässner eine beeindruckende Probe ihres Könnens ab. Die Jenaer Autorin Katrin Groß-Striffler wandte sich in „Gezeiten“ komplizierten zwischenmenschlichen Beziehungen zu, gefolgt von Christoph Schmitz-Scholemann, der ein kurzes Radiostück über Goethes Farbenlehre zu Gehör brachte. Entstanden war dieses akustische Kalenderblatt in Kooperation mit Martin Stiebert anlässlich der Erstausgabe der Farbenlehre am 16. Mai 1810. Während Isaac Newton den Regenbogen als Rechenexempel begriffen habe, so Christoph Schmitz-Scholemann, habe Goethe versucht, den poetischen Gehalt der Farben zu ergründen. Dazu prägte der Geheimrat noch so herrliche Begriffe wie „Augengespenst“, das eine optische Täuschung umschreibt. Zumeist lyrische Texte stellten Wulf Kirsten, Wolfgang Haak, Nancy Hünger und Hubert Schirneck vor. Wolfgang Haak hatte dabei den Gelbspötter genau beobachtet und näherte sich dem gefiederten Sänger auf rührend poetische Weise.

Für die musikalische Unterhaltung sorgten Ilga Herzog und Marie Kristin Luft. Eingeladen hatten der Verein Lesezeichen aus Jena und die Literarische Gesellschaft Thüringen.