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07.10.2004

Ein Preis für den guten Service

von Gerlinde Sommer TLZ

Arnstadt. (tlz) Die Arnstädter Stadt- und Kreisbibliothek wurde gestern im Arnstädter Theater gefeiert: Der Bücher-Kulturbetrieb wurde mit dem Thüringer Bibliothekspreis ausgezeichnet. 10 000 Euro erhielt die Leiterin Ursula Ullrich als Anerkennung für die besondere Benutzerfreundlichkeit ihres Hauses, in dem sich nicht nur der Bücherfreund willkommen fühlt, wie Thomas Wurzel, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, betonte. Die Jury, in der die TLZ mitarbeitet, hatte es sich mit dieser Preisvergabe nicht leicht gemacht, auch wenn die Vergabe in jene Stadt, die zugleich den 10. Thüringer Bibliothekstag ausrichtete, fast wie bestellt wirkte. Auszuzeichnen galt es in Arnstadt ein von Fachleuten beispielhaft genanntes Konzept, das Lust aufs Lesen macht, weil sich das Gesuchte schneller finden lässt.

Kultusminister Jens Goebel, der die Schirmherrschaft nach seiner Amtsübernahme gerne übernommen hatte, erinnerte an jenes Bild von der Menschenkette in der Nacht des Weimarer Bibliotheksbrandes: Die Menschen wissen die Bedeutung von Büchern zu schätzen, ist sich Goebel gewiss. Amalia-Direktor Michael Knoche hatte davon bereits seinen Kolleginnen und Kollegen beim Bibliothekstag kurz berichtet. Und weil 2003 der erste Bibliothekspreis im Eisenacher Kino Capitol und der zweite auf der Bühne des Arnstädter Theaters im Schlossgarten überreicht wurde, verwies Minister Goebel auch darauf, dass diese Einrichtungen, die um die Aufmerksamkeit der Menschen konkurrieren, allesamt ohne Bücher nicht denkbar seien. Die Einheit von Buch und Leser beschwörend, erinnerte Goebel auch daran, dass "erst Lesekompetenz Medienkompetenz schafft". Thüringen werde daher "die Lese-Initiative engagiert fortsetzen", so Goebel.

Zehn Bewerber um den Bibliothekspreis gab es in diesem Jahr. Thomas Wurzel versprach nicht nur eine Neuauflage für 2005 - er ermutigte auch die Teilnehmer und weitere Bibliotheken, sich diesem Wettbewerb zu stellen. Von einer exemplarischen Auszeichnung sprach Bibliotheksverbandsvorsitzender Frank Simon-Ritz. Und er machte auch deutlich, dass Bibliotheken noch häufiger an die Öffentlichkeit gehen und offensiver mit ihren Erfolgszahlen umgehen sollten: Mit mehr als 3,1 Millionen Nutzern 2003 liegen die Thüringer Bibliotheken nur wenig hinter den Museen, die 3,4 Millionen Besucher verzeichnen konnten. Die Ausleihen lagen bei mehr als 9 Millionen. Dem allerdings steht Finanzschwäche gegenüber: Hatten Bibliotheken im Freistaat für die Beschaffung verschiedener Medien 1991 durchschnittlich noch 2,23 Euro pro Einwohner zur Verfügung, wurden 2003 nur noch 68 Cent investiert. Zu wenig, wie Landesvorsitzender Simon-Ritz meint: "Der Etat für öffentliche Bibliotheken sollte bei mehr als einem Euro pro Einwohner liegen."