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26.08.2004

Ein märchenhafter Abend im Sommerpalais

von KS Ostthüringer Zeitung

Ein Trio entführt das Publikum zu den Träumen aus Tausendundeiner Nacht

Greiz (OTZ/KS.). Es war einmal an einem Abend im August. Im großen Park einer kleinen Stadt mit dem Namen Greiz trafen sich in einem Sommerpalais gut 90 Menschen, um Märchen zu hören. Märchen aus Tausendundeiner Nacht. ,,Es war einmal, sprach der Erzähler und stieß das Tor auf zu der prächtigen, betörenden, zuweilen verwunschenen, mitunter geheimnisvollen Welt der Kalifen und ihren prunkvollen Palästen, zur Welt der duftenden Basare.

Dass diese Ferne der Wunder und des Glanzes greifbar wurde, ist Hermann Wiedenroth, Verleger und Archivar, vor allem aber begnadeter Erzähler und Vorleser zu verdanken. Doch nicht nur er allein und seine brillant kraftvolle und ausdrucksstarke Vorlesekunst gaben diesem Abend das Besondere. Denn Dr. Claudia Ott, studierte Arabistik-Expertin, besonders aber geschickte Übersetzerin, schuf mit der neuen deutschen Übersetzung der Märchen aus Tausendundeiner Nacht überhaupt die Grundlage für die Lesung. Am Dienstag in Greiz widmete sie sich jedoch nicht den Worten, sondern den Noten. Das Publikum entzückte sie als vortreffliche Rohrflötenspielerin. Musikalisches steuerte ebenso Roman Bunka bei. Als virtuoser Oud-Spieler schuf er gemeinsam mit Claudia Ott passende orientalisch-musikalische Klangbilder. Zu Gast war das Trio bei ,,Prominente im Gespräch", das mit dieser Folge, wie Initiator Harald Seidel sagte, auch eine Liebeserklärung an den Mittleren und Nahen Osten aussprechen wolle; trotz und gerade wegen der täglichen Kriegsnachrichten aus dieser Region, die ,,eine Schatzkammer der Kultur und der Menschheit" ist. Unterstützt wurde Seidel bei dieser Folge von den ,,Thüringer Märchentagen" des Lesezeichen e.V., der Stadt- und Kreisbibliothek Greiz, der Buchhandlung Bücherwurm, des Sommerpalais Greiz und des Theaters der Stadt Greiz sowie privater Sponsoren. Es war einmal, erzählte Wiedenroth dem gespannt lauschenden Publikum von zwei Königen. Beide waren von ihren Ehefrauen hintergangen worden. Einer der Könige nahm dafür besonders grausam Rache. Jede Nacht heiratete er eine Frau, vollzog mit ihr die Ehe und ließ sie am Morgen hinrichten. Schahrasad, die Tochter eines Wesirs des Königs, wollte dem Morden mit einer List ein Ende bereiten...

Märchenhaft gelungen ist Claudia Ott die Übersetzung der Dichtungen aus Tausendundeiner Nacht. Sie fand den Schlüssel, die blumige und ausschweifende Sprache, die weit schweifenden Beschreibungen in den Märchen der arabischen Welt ohne Kitsch und ins Deutsche zu übertragen. Die Geschichten behalten ihren Reiz, ihre zuweilen innewohnende Erotik und ihre stets anziehende Fremdartigkeit. Dass die feinsinnig in unsere Sprache übertragenen Dichtungen dank der Erzählkunst Hermann Wiedenroths noch einmal an Glanz gewinnen konnten, ist ein weiter Grund, der diesen Abend wahrhaft märchenhaft werden ließ.