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29.11.2011

Ein Jahr nach Hirnschlag: Martin Stiebert dankt für Unterstützung

von Stefanie BVühlchen TLZ

Martin Stiebert liest wieder: Am Mittwoch bedankt er sich bei allen Unterstützern mit einer Lesung. Foto: Anja Tautenhahn

 

 

Jenas Vorleser Martin Stiebert liest wieder! Das Jenaer Original im schwarzen Mantel hat ein schweres Jahr hinter sich. Am 23. Dezember vergangenen Jahres erlitt er einen Hirnschlag. Sein Glück: Er war gerade in seinem Lieblingscafé, dem "Central".

Jena. Die Mitarbeiter riefen sofort den Notarzt. Es folgten mehrere Wochen Intensivstation, dann Reha. Wäre er allein in seiner Wohnung gewesen; wer weiß, ob er dann noch unter uns weilen könnte.

In dieser schweren Zeit, die neben all den gesundheitlichen Sorgen auch noch finanzielle mit sich brachte, haben Jenaer Autoren und Künstler eine Benefizlesung für Martin Stiebert organisiert. Unter dem Titel "Wir teilen den Mantel" lasen im Februar Nancy Hünger, Bärbel Klässner, Katrin Groß-Striffler, Wulf Kirsten, Jens-Fietje Dwars, Christoph Schmitz-Scholemann, Wolfgang Haak und Hubert Schirneck.

Nun möchte sich Martin Stiebert bei allen bedanken, die ihn seit fast einem Jahr unterstützen - besonders aber natürlich bei denen, die damals für ihn, den Vorleser, lasen. "Martins Dank" heißt die Lesung, die morgen in der Abbe-Bücherei stattfindet. "Ich werde das Thema des geteilten Mantels und das Martinsmotiv aufnehmen", verrät Stiebert. Damals sei das Motiv nur im Titel gewesen - dabei könne man daraus doch wirklich mehr machen, scherzt er. Martin Stiebert wird sich in seiner Dankeslesung der Vita des Heiligen Martin widmen sowie späteren Dichtungen aus dem Mittelalter und Gedichten zum Heiligen Martin. Mehr möchte er noch nicht verraten.

Auch wenn Martin Stiebert jetzt wieder Lesungen halten kann - ganz so belastbar wie früher ist er noch nicht. Täglich laufe er mindestens zwei Stunden. Das tue seiner geistigen und körperlichen Verfassung gut - auch wenn er für die Strecken mindestens doppelt so lang braucht wie ein gesunder Mensch. Ist er mal für einen Tag nachlässig, räche sich das sofort. "Dann fühle ich mich so eingeschrumpelt." Noch nicht so gut funktioniert die Feinmotorik. Schreiben bereite ihm immer noch Probleme, die Handschrift sei "krakelig". Gerade seine stets handschriftlich verfassten, künstlerisch gestalteten Einladungskärtchen waren sein Markenzeichen - auch in unserer Redaktion erfreuten sie sich immer großer Beliebtheit.

Dennoch, trotz all der Probleme habe das letzte Jahr auch "sehr angenehme, tröstliche Momente"gehabt. Tief gerührt sei er gewesen, als er von der Benefizlesung erfahren habe - wenn auch erst hinterher. Gerade am Anfang hat er, der geniale Geist, der so viele literarische Werke im Kopf hatte, Wortfindungsstörungen gehabt. Das Wort Kuchen ist ihm einmal nicht eingefallen. "Da hab' ich gesagt, dass ich gerne noch eine angenehme Süßspeise haben möchte", erinnert er sich. Doch nach und nach sind all die Gedichte und Texte wieder gekommen. Dass nach einem Vierteljahr seine geistige und sprachliche Verfassung wieder die alte war, ist sein großer Trost. "Das verdanke ich denen, die sofort den Arzt gerufen haben." Sein nächstes Ziel ist es, sich wieder wie ein Gesunder bewegen zu können.

"Martins Dank. Martin Stieberts Antwort auf die Lesung von Thüringer Autoren 'Wir teilen den Mantel'" 30.11., 19.30 Uhr, Abbe-Bücherei.