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04.09.2008

Ein Geben und Nehmen

von Frank Quilitzsch TLZ

Weimar. (tlz) Was haben der Pressesprecher des Unternehmens Gazprom Germania und der Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen gemein? Sie sponsern beide das Weimarer Kunstfest, wünschen sich, dass es unter der profunden Leitung seiner Intendantin Nike Wagner fortgesetzt wird und sind dann auch bereit, es weiterhin zu unterstützen. "Wir sind nächstes Jahr wieder dabei", bestätigte Burkhard Woelki gestern beim TLZ-Talk in der Kunstfest-Pilgerbar Weimar eine Zusage vonseiten des Gas-Unternehmens, das kulturelle Brücken bauen will zwischen Deutschland und Russland. Und auch Dr. Thomas Wurzel, der seine Stiftung fest in der Thüringer Region verankert hat, denkt nicht an Ausstieg.
Weiß man überhaupt, dass Sponsoring keine Wohltätigkeit, sondern ein Marketinggeschäft bedeutet, von dem beide, der Gebende und der Nehmende - oder besser: der es für kulturelle Zwecke Einsetzende - profitieren? Natürlich geht es für die Sponsoren um Image-Pflege: "Wir wollen wahrgenommen werden, aber auch unsere gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen", so Woelki. Dafür suche man Partner aus, die für Qualität, Ausstrahlung und Erfolg bürgen. Nein, eben nicht nur Fußballklubs wie Schalke 04, sondern durchaus auch Weimar, "eine Kulturstadt in Europa", in der man sich weltweit präsentieren kann.

Die Sponsoring-Ansätze können, wie Woelki und Wurzel im Gespräch mit TLZ-Kulturredakteur Dr. Wolfgang Hirsch deutlich machten, sehr verschieden sein: Der eine, mit seinem jungen Unternehmen westeuropaweit verankert, fördert kulturelle "Leuchttürme", der andere, mit seiner Stiftung regional verwurzelt, will "Humus bilden", kümmert sich um Kultur in ihrer ganzen Breite. Auch da geht es um Kunst und Fußball, und niemand sollte einen Keil dazwischen treiben, schon gar nicht mit einem staatlich verordneten Verbot für Alkoholwerbung - "ein ziemlich massiver Eingriff", warnten beide. Die Regierung möge lieber über ein verändertes Steuerrecht nachdenken, denn ohne Sponsoring - so das Fazit der kleinen Runde - werden anspruchsvolle Festivals als auch der tägliche Kulturbetrieb künftig kaum am Leben zu erhalten sein. Das soll kein Freibrief für die öffentliche Hand sein, sich aus der Kulturfinanzierung zurückzuziehen! so die Forderung aus dem Publikum. Wie kann man selbiger Nachdruck verleihen? "Lesen Sie die Wahlprogramme und treten Sie den Politikern auf die Füße", meinte ausgerechnet der Promoter jenes Unternehmens, das sich seinerseits nur ungern in die Karten, sprich: in die Preiskalkulation, blicken lässt. Und eine Aufgabe für die "kulturinteressierte Presse", erscholl überraschend von der Sparkassen-Stiftung Lob für die TLZ: "In welchem Bundesland gibt es ein Medium, das sich so vement um die kulturellen Belange im Lande - vom kleinen Lesekonzert über das Staatstheater bis zum Kunstfest - kümmert?" Dafür soll er, selbstverständlich, im Feuilleton genannt werden.

Nehmen und Geben - ein entspannter Nachmittag in der von Gazprom gesponserten futuristischen Pilgerbar, auf deren gespannte Kugelhaut der Regen prasselte.

! Nächstes TLZ-Bistro: 24. September, 17 Uhr, Kunstfest-Pilgerbar in Weimar