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19.05.2012

Edition Ornament vereint Autoren und Graphiker

von Dietmar Ebert TLZ

Goethe als Dämon im Rücken Eckermanns. Zeichnung: Kay Voigtmann

Edition Ornament vereint Autoren und Graphiker

Die von Jens-Fietje Dwars begründete und im quartus-Verlag herausgegebene "Edition Ornament" ist von der Reihe "Der jüngste Tag" inspiriert, die in den Jahren von 1913 bis 1921 vom Verleger Kurt Wolff herausgegeben wurde.

In den Bänden 1 bis 7 der "Ornament" Edition wurden zunächst Texte Thüringer Autoren verlegt. Mit den Bänden 8 bis 10, die Dwars 2012 zur Leipziger Buchmesse präsentierte, werden mit Jan Decker ein in Leipzig lebender und mit Wilhelm Bartsch und André Schinkelzwei seit langem in Halle beheimatete Dichter vorgestellt.

Jan Deckers Theatermonolog "Eckermann oder die Geburt der Psychoanalyse" (Band 8) besteht aus drei Bildern, und jedem ist eine skurrile Zeichnung des Geraer Künstlers Kay Voigtmann beigegeben. Die Handlung des im Jahr 1846 spielenden Einpersonenstückes ist fiktiv. In mehreren Sitzungen mit dem Leipziger Medizinprofessor und psychischen Therapeuten Johann Christian Heinroth versucht Eckermann sich von seinem "Über-Ich" und der Enge Weimars zu befreien, bis er am Ende doch erkennen muss, dass "wir alle in Goethes Hand" sind und er nun bereit ist, mit Freuden zu sein, was er bisher unter Qualen war: "Goethes Papagei". Ob die Spielidee dieses Einpersonenstücks einen Theaterabend tragen und die Zuschauer fesseln kann, das wird eine künftige Aufführung zeigen.

Band 9 enthält Gedichte von Wilhelm Bartsch. Unter dem Titel "Die alte Marke Wanderer" sind "Uckermärkische", "Wendländische", "Irrländische", "Italische", "Amerikanische" oder "Wittenbergische" Gedichte in dem schmalen Band vereint. So wie die Landschaften wechseln, so wechselt auch die Gestalt des Dichters, ohne sich je zu maskieren. Es ist etwas Protheisches in den Gedichten Bartschs; das lyrische Ich erscheint in jedem Gedicht ein wenig anders, denn "jedes gute Gedicht trägt wie ein Vexierbild seine ganz eigene Poetologie schon in sich". Die Gedichte verändern sich beim mehrmaligen Lesen, wenn die Oberfläche des lyrischen Gebildes durchstoßen ist und sich Melancholie, Heiterkeit und Witz des Gedichtes erschließen. In diesem Sinne korrespondieren sie mit den Zeichnungen des Hallenser MalersMoritz Götze, die unsere "schöne, neue Welt" in knallbunten Farben zeigen und erst nach mehrmaligem Betrachten ihren hintergründigen Humor preisgeben. Für Bartsch heißt gute Gedichte zu schreiben, es zuzulassen, dass die "Schönheit mit den unmöglichsten Galanen tanzt" (Pablo Neruda).

Band 10 schließlich vereint unter dem Titel "Parlando" 44 Texte des Hallensers André Schinkelaus den Jahren 1991 bis 2011. Es sind kraftvolle Texte, die die ungeheure Spannweite "zwischen dem Bleiben und dem sicheren Ende eine Zeitlang zu überbrücken" versuchen. Schicht für Schicht durchstößt der Archäologe die Seelenablagerungen seines lyrischen Ichs und gelangt in die Gefilde, wo des Nachts die Ängste und Beklemmungen ihr Eigenleben führen und bis in die Tagträume hinein qualvoll walten. Seine Gedichte und lyrischen Kurztexte zeugen von hoher Stilsicherheit und einer Sensibilität für deren Rhythmus, dass man von einem Romantiker sprechen möchte, der mit dem Blick der Moderne die "Wüstungen" der inneren und äußeren Wirklichkeit zur Sprache bringt. "Parlando" gewinnt an Schönheit und Intensität durch vier meisterhafte Graphiken von Karl Georg Hirsch.

Die Reihe "Edition Ornament" erscheint im quartus-Verlag, Bucha bei Jena, Normalpreis je Band 14.90 Euro, die ersten 50 Exemplare als handgebundene Vorzugsausgaben, von den Autoren signiert und mit einer signierten Originalgrafik, je 49.90 bis 69.90 Euro