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06.04.2004

Ducke, Goethe, Pawlowna

von Oliver Will Ostthüringer Zeitung

Büchlein des Quartus-Verlags aus Bucha stellt mit einem ironischen Augenzwinkern "Die 100 wichtigsten Thüringer" vor

Listen erleben derzeit eine Blüte: Literaturkanons, All-Time-Charts, Sportlerehrungen. Zeitungen, Internetseiten und Fernsehprogramme widmen sich derlei Aufstellungen. Nun werden auch "Die 100 wichtigsten Thüringer" gekürt.

"Die Sache ist aber nicht zu ernst zu nehmen", sagt Detlef Ignasiak, der Gründer des Quartus-Verlags. Seit 1995 widmet sich das kleine Unternehmen in Bucha bei Jena der mitteldeutschen Kulturgeschichte und klassischen Texten. Das neueste Werk soll keine Hitliste sein, vielmehr ein Kleinod als 100. Buch des Hauses. "Etwas Kleines, das schnell zu lesen ist." Die Idee beruht auf zwei Listen, die der Naumburger Autor Kai Agthe und der gebürtige Berliner Ignasiak erstellten. "90 Prozent stimmten überein, den Rest haben wir ausgehandelt." Dann hat sich jeder jeweils 50 Personen vorgenommen.

Zuvor war die Frage zu klären: Was ist ein Thüringer? "Unsere Definition ist sicher nicht haltbar", so Ignasiak. Die Mehrzahl der Beschriebenen gelten demnach als Thüringer, weil sie hier ihre großen Lebensleistungen vollbracht haben. "Wir wollen nicht abstreiten, das Goethe Hesse war." Andere finden sich im Buch, weil sie zwar woanders berühmt geworden sind, aber hier das Licht der Welt erblickten. So machte sich der Mühlhäuser Brückenbauer Johann Augustus Roebling in den USA unter anderem mit der New Yorker Brooklyn-Bridge einen Namen. Zum Dritten finden sich Menschen, die nicht aus Thüringen stammen und auch nur kurze Zeit hier lebten. Sie haben hier aber wie Bonifatius "Weichen gestellt".

Zu den "100 wichtigsten Thüringern" sollten Vertreter aller Jahrhunderte und der jeweils typischen Berufen zählen. So für das Mittelalter der Prediger Meister Eckehardt, fürs 20. Jahrhundert der Fußballer Peter Ducke. Außerdem wollten die Autoren vermeiden, dass "nur Weimar und Jena vorkommen". Eine Auswahl also, "schwierig und nicht für jeden nachvollziehbar". Doch 80 der vertretenen Personen seien unumstritten. Viele Dichter sind darunter, und zahlreiche Fürsten. "Wir haben auch darauf geachtet, Frauen aufzunehmen", erklärt Ignsaiak, so die Heilige Elisabeth und Maria Pawlowna.

Im Buch ist jeder Person eine Seite gewidmet, egal, ob sie ganze Bibliotheken füllt oder selbst Interessierten kaum bekannt ist. "Schreiben sie mal auf einer Seite etwas über Goethe", klagt Ingnasiak scherzend. Dagegen sei bei anderen, wie Hermann von Salza, das Material schon für die eine Seite kanpp geworden. Lustige Episoden und weniger Bekanntes stehen dabei im Vordergrund. So ist zu lesen, dass Ernst Haeckel der erste Studentenweltmeister im Weitsprung war. Und im Überblick wird klar, dass abgesehen von Leuten wie Gauleiter Fritz Sauckel und Reichsjugendführer Baldur von Schirach - "Die Wichtigsten heißt ja nicht die Besten", meint Ignasiak - die meisten Thüringer "durchaus positiv" waren. Auffallend sei zudem, dass die meisten Impulsgeber bis in die Lutherzeit aus dem Land selbst, später aber von außen kamen. "Die Weimarer Klassik ist allein mit gebürtigen Thüringern undenkbar." Dabei habe der heutige Freistaat neben dieser Periode und dem Wirken von Abbe und Zeiss nicht viel von Weltgeltung zu verzeichnen. Aufgrund der Kleinstaaterei blieb der Thüringer Einfluss beschränkt, so der Quartus-Chef.

Die erste Auflage der "100 wichtigsten Thüringer" soll Ostern in 2000 Exemplaren erhältlich sein. Schon jetzt habe der Verlag so viele Vorbestellungen wie selten zuvor verzeichnet.