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07.11.2003

Drei Lesungen zu Mauerfall und "Reichskristallnacht"

von Ulrike Merkel Ostthüringer Zeitung

Theaterjugendclub gestaltet eine Lesenacht zum 9. November

Der 9. November markiert zwei historische Wendepunkte in der deutschen Geschichte. 1938 wurden bei der "Reichkristallnacht" 267 Synagogen in Brand gesteckt und zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser jüdischer Bürger zerstört. Auf den Tag genau 51 Jahre später fiel in Berlin die Mauer.

Diesen Ereignissen widmet sich am Sonntag um 20 Uhr die "Lesenacht zum 9. November" im Volksbad (Eintritt: 3 Euro). Der Jugendtheaterclub des Theaterhauses hat in Kooperation mit der Kunst- und Musikschule sowie dem Lesezeichen e.V. ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt. Zum Auftakt liest die Berliner Autorin Anja Tuckermann Auszüge aus ihrem Werk "Muscha". Der Roman schildert die Erlebnisse eines Zigeuner-Jungen im Dritten Reich und in den Folgejahren. Der Jugendtheaterclub wird im Anschluss eine szenische Lesung präsentieren, die sich mit der Widerstandgruppe "Weiße Rose" auseinander gesetzt. Den offiziellen Teil beschließt der Thüringer Schriftsteller Landolf Scherzer mit seinem 2002 erschienenen Werk "Die Fremden". Es ist ein Buch über Ausgrenzung und Fremdenhass. Scherzer beschreibt darin das Leben mosambikanischer Gastarbeiter vor und nach der Wende. Anfang der 80er Jahre hatte er bereits den Versuch unternommen, ein solches Buch zu veröffentlichen. Da er jedoch offen den alltäglichen Rassismus in der DDR schilderte, wurde der Druck verhindert.

"Die Veranstaltung soll nicht betroffen machen. Es soll auch nicht nur ein Erinnerungsabend werden. Das Geschehene stellen wir in den heutigen Kontext", sagen die zwei jungen Moderatoren der Veranstaltung, Kristin Domröse und Thomas Hof mit Nachdruck. Nur so sei ein konstruktiver Umgang möglich.

Über die Hauptthemen Fremdsein und Intoleranz wollen die Verantwortlichen anschließend in der Bar des Volkshauses mit dem Publikum diskutieren.