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06.09.2004

Drehbuchschreiber ist Spezialist in Universität

von M.K. Ostthüringer Zeitung

Becher-Biograph Jens-Fietje Dwars in Ranis

Ranis (OTZ/M.K.). Meine Spezialität ist die Universalität, antwortet Jens-Fietje Dwars auf die Frage, warum er sich parallel mit solch bekannten Literatur-Klassikern wie Goethe und Schiller, aber auch mit Johannes Becher beschäftigt und über deren Themen gleichzeitig Ausstellungen organisiert, Drehbücher, Essays oder Erzählungen schreibt. Am Donnerstag, dem 9. September, stellt der Jenaer Autor ab 19.30 Uhr in der Reihe Lesung auf Burg Ranis seine 2003 erschienene Biographie Johannes R. Becher - Triumph und Verfall vor. Es ist bereits die zweite Becher-Biographie aus seiner Feder.

Der studierte Philosoph (Jahrgang 1960) Jens-Fietje Dwars erhielt bereits zweimal den Grimme-Sonderpreis (2001, 2004). Damit tritt er den Beweis an, dass hinter dem seit 40 Jahren verliehenen Preis nicht ausschließlich solche Namen wie Entertainer Harald Schmidt, Günther Jauch, die Schauspieler Jan Josef Liefers und Heino Ferch oder Kabarettist Dieter Hildebrandt stehen müssen, um nur ein paar Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit zu nennen.

"Es ist der einzige demokratische Preis", sagt Jens-Fietje Dwars und wähnt sich damit im Einklang mit anderen ebenfalls Ausgezeichneten.

Der Grimme-Preis ist ein Preis, der nicht nur auf Show und Effekte setzt, zitiert das auslobende Grimme-Institut Schauspielerin Meret Becker. Dwars kennt den Grund: Das Institut ist verpflichtet, jeden eingereichten Beitrag zu prüfen und zu bewerten. Deshalb sei der Film "Der Unzugehhörige: Peter Weiss in Gegensätzen" (2003) von Regisseur Ullrich Kasten, für den Dwars das Drehbuch geschrieben habe, ein Grimme-Preis mit Ansage gewesen.

Der Schriftsteller Peter Weiss war ein Grenzgänger zwischen Ost und West. Die Ereignisse des 20. Jahrhunderts haben sein Leben und Denken, vor allem seine Arbeiten als Schriftsteller geprägt. Faschismus und Krieg, revolutionäre Erschütterungen, der Vietnamkrieg - all dies gehört zum Erbe einer Zeit, mit der sich Peter Weiss kritisch auseinandersetzte. Ein zu Unrecht fast vergessener Künstler.

Bekannter dagegen dürfte Johannes R. Becher (1891-1958) sein. Auch Becher, laut Dwars im Osten gefeiert als Sänger der Nation, des Friedens und des Sozialismus - im Westen verdammt als Verräter am Geiste, war ein Grenzgänger. Denn kein zweiter deutscher Dichter sei so tief in die Extreme des 20. Jahrhunderts verstrickt gewesen. Becher, der erster Kulturminister der DDR war, schrieb auch die Staatshymne dieses Landes. Der Film "Über den Abgrund geneigt ... Leben und Sterben des Johannes R. Becher" erhielt ebenfalls einen Grimme-Sonderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen. Auch hier stand dem Drehbuchautor Regisseur Ullrich Kasten zur Seite.

Sein Lebensweg zeichnet am besten nach, warum sich Jens F. Dwars an schwierige Themen mit Personen in Widersprüchen wagt: 1960 in Weißenfels geboren, hat er Philosophie in Wroclaw, Berlin und Jena studiert. Nach der Promotion über Geschichtsphilosophie und Anthropologie (bei Ludwig Feuerbach) war Dwars von 1987 bis 1992 als Germanistikassistent an der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) tätig. Sein Arbeitsgebiet lautete: anthropologischer Materialismus (Benjamin) in der Traditionslinie von Goethe, Feuerbach, Büchner, Nietzsche und Peter Weiss.

Dies klingt für den Laien exotisch, Dwars jedoch eroberte sich damit einen Erfahrungsschatz, der ihn als einen Universalisten auszeichnet. Mehr über ihn zu erfahren gibt es im Internet unter www.dwars.jetzweb.de.