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07.11.2005

Draußen vor der Tür

von Frank Quilitzsch TLZ

Weimar. (tlz) "Ein imponierendes Werk", das Vergangenes ins Gegenwärtige hole, Erkenntnisse vermittle und dabei Lesevergnügen gewähre - mit diesen Worten würdigte Professor Karl Otto Conrady die Leistung der Schriftstellerin Sigrid Damm, die am Sonntag in Weimar mit dem Thüringer Literaturpreis geehrt wurde. In Anwesenheit des thüringischen Ministerpräsidenten überreichten der Jury-Vorsitzende Wulf Kirsten und Erich Böhm, Vorstand der den Preis stiftenden E.ON Thüringer Energie AG, die Auszeichnung.

Sigrid Damm las keine Dankrede, sondern versuchte sich in dem, was sie am besten kann: im Erzählen. Sie erzählte über die "geistige Topographie" jener Thüringer Landschaft, in der sie aufgewachsen ist und viele Jahre gelebt hat. Über "frühe Zeichen", die zum Nachdenken über das Verschwinden der Juden und die Wahrheit über das Konzentrationslager Buchenwald zwangen. Autoren wie Fred Wander, Imre Kertész und Jorge Semprun wurden plötzlich wichtig für sie, und über die Weimarer Hochschulferienkurse knüpfte sie Kontakte zu Menschen außerhalb der DDR, die ihr Weltbild veränderten. 1978 wagte sie den Schritt in die Freiberuflichkeit. "Die Nichtanpassungsfähigen interessierten mich", sagte sie mit Blick auf ihre intensive Beschäftigung mit dem Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz, der 1776 aus Weimar vertrieben wurde, und andere Autoren, die ihr Leben lang Außenseiter blieben.

Etwa 250 Besucher, darunter zahlreiche geladene Gäste, nahmen an der Preisverleihung teil, für die unüblicher Weise 9.50 Euro Eintritt genommen wurden. Schon im Vorfeld hatte dies viele Interessenten verärgert. Offenbar hat man kein Gespür, wie viele Kunstschaffende - Autoren, Bildhauer und Maler - hier am Existenzminimum leben. Hätte nicht wenigstens hier das Land seine finanzielle Verantwortung wahrnehmen können? Der Schriftsteller Landolf Scherzer blieb aus Protest der Veranstaltung fern. "Es ist nicht zu verstehen, dass genügend Geld für ein Bankett für geladene Gäste vorhanden ist, während die Saalmiete von den Lesern und Freunden der Preisträgerin aufgebracht werden muss", meinte Scherzer. In der Tat, die Laudatio von Conrady und erst recht die Rede von Sigrid Damm hätten ein volles Haus verdient.