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08.02.2008

Döring und Sachs im Welttheater

von Matthias Biskupek Thühringer Allgemeine

Wir leben in demokratischen Buchzeiten. Wer sich gedruckt sehen will, kann dies dank elektronischer Technik schnell und billig schaffen. Das Buch auf Abruf ? book on demand ? gibt es allerorten, von den Erinnerungen der Landratsgattin bis zur Karnevalslyrik. Doch das gute Buch, auf edles Papier gedruckt, dezent illustriert, fadengeheftet, begrenzt im Umfang und groß im bibliophilen Anspruch, mit adäquatem Inhalt, bleibt eine Mangelerscheinung. In Thüringen ist die ?Edition Ornament? (Herausgeber Jens-Fietje Dwars) dieser Tradition verpflichtet. Kürzlich erschien als fünfter Band ?theatrum mundi?, das lyrische Welttheater des Hans-Jürgen Döring, breiteren Kreisen als Landtagsabgeordneter und SPD-Sprecher für Bildung und Kultur bekannt.
Die 33 Gedichte aus zwanzig Jahren bekamen weniger als Ergänzung, denn als eigenständiges Kunstwerk, 22 Federzeichnungen des Weimarer Künstlers Walter Sachs. Wer in eine Vorzugsausgabe investiert, erhält noch den Originalabzug des Holzschnittes ?Tänzer?.
Döring ist Melancholiker, stiller Einkehrer, gelegentlich verschmitzter Zeilen-Brecher. ?nur noch / die Torturen aushalten / im Frost der Ruhe?. So beschreibt er den kleinen Tod. Sachs hingegen, Spieler mit allen Sinnen, bietet sein Welttheater ?wundervoll heiter gelöst?, wie das Nachwort anmerkt. Wer ein Lieblingsgedicht unter mehreren der Döringschen Liebesgedichte findet, kann es mit schwarzem Lesebändchen markieren. Da ist er beim Aufschlagen des Buches sofort mittendrin in seiner Obsession.

Matthias Biskupek

Hans-Jürgen Döring: theatrum mundi. Dreiunddreißig Gedichte mit Zeichungen von Walter Sachs. Hrsg., gestaltet und mit einem Nachwort versehen von Jens-Fietje Dwars. Edition Ornament im quartus Verlag Bucha bei Jena, 2007, 16,80 Euro, Vorzugsausgabe 49,90 Euro