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04.03.2014

Dixe um Gera: Gespräche mit Namensvettern des Künstlers Otto Dix

von Angelika Bohn Ottshüringer Zeitung

Autorin Annerose Kirchner aus Gera hat ein neues Buch geschrieben, das Anfang März erscheint. Foto: Angelika Bohn

Die Autorin Annerose Kirchner hat sich mit Menschen unterhalten, die den selben Nachnamen tragen wie Geras berühmtester Sohn Otto Dix, und ihre Geschichten für ihr neues Buch "Dix und Dix" aufgeschrieben.

Gera.
"Auf den Spuren eines Familiennamens" lautet der Untertitel des Buchs "Dix und Dix" der Geraer Autorin Annerose Kirchner. Es erscheint in diesen Tagen im Verlag Erhard Lemm Gera. Fotos von Frank Schenke führen den Leser zu den Orten, an denen in Gera und Umgebung Menschen leben, die den selben Nachnamen tragen wie Geras berühmtester Sohn Otto Dix.

Sieben Frauen und Männer oder Paare, die Dix heißen, werden im Buch vorgestellt. Und das sind nicht alle Dixe in Gera und Umgebung. Ist der Nachname hier besonders häufig?
Ich denke schon. Zum Beispiel in Zella-Mehlis, wo ich aufgewachsen bin, gibt es den Namen Dix überhaupt nicht. Er wäre mir aufgefallen, weil ich mich früh für Malerei interessierte und da natürlich auf Otto Dix gestoßen bin. Hier in Ostthüringen dagegen ist er recht häufig. Jedenfalls soweit ich das herausfinden konnte. Mir ging es ja nicht darum, eine genealogische Abhandlung über den Namen Dix zu schreiben. Ich wollte ein paar Leute finden, die Dix heißen und mit ihnen über den Namen reden.

Im Buch erfährt man, dass sich der Name Dix entweder von Benedikt herleitet oder von Dictus.

In Thüringen eher von Dictus.

Dictus heißt?
Benannt oder genannt. Da hieß jemand Markus XY und wurde als Markus Dictus in die Kirchenbücher eingetragen. Daraus entstand später Dix. Im Taufregister Haselbach zum Beispiel, das ist ein Ort um die Ecke, gibt es die Namen Dikse, Dietze, Dicts und Dix. Das habe ich im Buch angerissen.

Wer von den Dixen, die zum Gespräch bereit waren und deren Geschichte das Buch erzählt, ist enger mit dem Maler Otto Dix verwandt?
Da muss man Anneliese Dix nennen. Sie wird im Juli 87 Jahre und ist die Witwe von Volkmar Dix, der ein Neffe von Otto Dix war. Volkmar Dix war leider verstorben, als ich wegen meines Buchs mit Anneliese Dix Kontakt aufnahm. Ich hätte ihn gern kennengelernt. Er hatte wie sein Onkel eine künstlerische Ader, hat gemalt, war viel in der Natur unterwegs, um sich mit Tieren und Pflanzen zu beschäftigen.

Hat er nicht auch viele Jahre mit echten Dix-Bilder in seiner Wohnung gelebt?

Von denen einige dann die Geraer Kunstsammlung bekam. Anneliese Dix erzählt auch, was sie nach dem Tod ihres Mannes dem Museum zur Verfügung gestellt hat. Sie ist die, die familiär dem Maler Otto Dix am nächsten steht. Er ist ja in Europa und vielleicht auch weltweit der berühmteste Träger des Namens Dix. Man kann sich vor den Geraer Bahnhof stellen und Leute fragen, was ich für mein Buch ja auch gemacht habe, den Maler Otto Dix kennt fast jeder.

Die hochbetagte Anneliese Dix kommt zu Wort, aber auch ein junger Mann, der nur ein paar Steinwürfe vom Dix-Geburtshaus entfernt eine Sportschule betreibt, Judo, Weng Chun Kung Fu sowie Capoeira unterrichtet und Buddhist ist. Dieser Mann hat einen der kürzesten Namen, die es in Europa überhaupt gibt.

Kay Dix.

Nur sechs Buchstaben für Vor- und Zunamen. Das ist sehr selten, habe ich im Buch gelesen. Hat Kay Dix etwas mit Otto Dix zu tun?
Seine Mutter und er haben den Namen sozusagen angeheiratet. Dafür ist Manuela Dix, die in Jena lebt, entfernt mit Otto Dix verwandt. Und es gibt im Buch noch die Ronneburger Christian und Simone Dix. Er ist auch um einige Ecken mit Otto Dix verwandt. Vielleicht kann man sogar soweit gehen und sagen, dass alle, die in der Region Dix heißen, zum riesigen Thüringer Stamm der Dixe gehören. Das waren ja über Jahrhunderte große Familien mit zehn, zwölf Kindern, von denen wieder jedes viele Kinder hatte.

Witziger Weise gibt es im Buch zwei Dixe, die um Gera ziemlich bekannte Gastwirtschaften betreiben?

Das sind bekannte Größen in Gera und Umgebung,

Haben Essen und Trinken etwas mit Kunst zu tun?

Schade, dass wir das Otto Dix nicht fragen können. Übrigens gibt es in Köln ein Nobelrestaurant "Dix", in dem an den Wänden Reproduktionen von Dix-Bildern hängen. Ganz edle mediterrane Küche. Die Gaststätten Dix hier sind natürlich sehr bodenständige Leute, Andrea Kind in Gera-Frankenthal serviert Roster und Klöße und das ist auch das, was ihre Gäste bevorzugen. Andreas Oma war Helene Dix, bekannt geworden als die älteste Wirtin der DDR. Helene hatte einen Dix geheiratet, der in Frankenthal dann die Kneipe aufgemacht hat.

Setzten die Wirtsleute im Gasthaus Dix in Endschütz auf den berühmten Namen wie die Kollegen in Köln?
Ich denke, nein. Das kommt vielleicht auch daher, dass der Name hier doch recht häufig ist. Wer ihn führt, weiß, es ist ein interessanter Name. In der Summe haben sie aber alle ein eher gelassenes Verhältnis zu Otto Dix. Gemeinsam ist allen, sie sind sehr zufrieden mit ihrem kurzen Namen.

Wohin hat die Fährte, die das Buch aufnimmt, seine Autorin geführt?
Im Grunde genommen in meine nähere Heimat. Ich wohne jetzt seit 35 Jahren in Gera und kann sagen, hier habe ich Wurzeln geschlagen. Durch die Recherchen zum Buch bin ich mit der Region noch vertrauter geworden, mit deren Geschichte ich mich beschäftigt hatte, als ich den verschwundenen Dörfern auf der Spur war. Ich bin noch einmal tiefer, als ich es ursprünglich wollte, in die Regionalgeschichte eingetaucht. Ich habe bekannte Fakten aufgegriffen, teilweise auch aus Ottos Leben, weil man an Otto Dix einfach nicht vorbei kommt. Er kommt einem immer wieder dazwischen. Dann haben mich diese Familien, wie sie leben, was sie denken, sehr interessiert. Vielleicht, weil ich immer noch nach den Vorfahren meines Vaters suche. Beim Schreiben habe ich auch darüber wieder mehr nachgedacht. Dann hatte ich den tollen Kontakt zum Familienverband Dix. Ohne ihn hätte ich das Buch gar nicht schreiben können.

Gäbe es die Möglichkeit, Otto Dix zu treffen, was würde Annerose Kirchner neben der Frage, ob Essen, Trinken und Kunst zusammengehören, noch von ihm wissen wollen?
Was Heimat für ihn ist. Er hat ja als ganz junger Mann Gera verlassen, hat in Berlin und Dresden gelebt, ist dann, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, von der Hochschule verjagt und zum entarteten Künstler erklärt worden und an den Bodensee gezogen. In Hemmenhofen hat er dann bis zu seinem Tod gelebt. Aber er hat seine Geburtsstadt nie vergessen, hat seine Eltern, seine Mutter besucht. Er hatte ein starkes Heimatgefühl für diese Gegend hier. Warum das so ist, darüber hätte ich mich gern mit ihm unterhalten.