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07.06.2007

Die Zwölfzylinder der Bücherwelt

von Ulrike Merkel Ostthüringer Zeitung

Doppel-Schau wird heute in Pößneck eröffnet
Von OTZ-Redakteurin Ulrike Merkel Bücher sind wie Autos. Die Mittelklasse dominiert den Markt, während die Edelausgaben den Liebhaber euphorisieren. Ein bibliophiler Mensch kann sich an Fadenheftung und Leineneinband, an kunstvollen Illustrationen und Schriftbildern ebenso berauschen wie der Autonarr am Brummen eines Zwölfzylinders.
In Pößneck ist ab heute die Ausstellung "Die schönsten deutschen Bücher 2006" zu sehen, quasi die IAA der Buchkunst. Fast 60 Bände werden im Obergeschoss der Stadtbibliothek Bilke gezeigt. Damit der Gast in ihnen schmökern kann, sind sie auf weiße Pulte gelegt.

Alljährlich prämiert die Stiftung Buchkunst die edlen Werke der deutschen Verlage. 2006 wählten die Juroren aus knapp 1000 eingereichten Büchern von mehr als 400 Verlagen aus. "Auf den Inhalt kommt es dabei nicht an", erläutert Pößnecks neue Kulturamtsleiterin, Dr. Julia Dünkel. Die Jury bewertet vielmehr die Illustration, die Umschlaggestaltung, den Druck, das Papier, die Bindung und die Typografie, also das Schriftbild.

Gewürdigt wurde etwa das Buch "Fahrschein bis Minto" des Inders Sohrab Homi Fracis, erschienen im Mitteldeutschen Verlag Halle. Der 1975 in Weimar geborene Gestalter Helmut Stabe hat den Einband und die zwölf Ornamentseiten nach indischen Motiven entworfen. Gesetzt wurde der Text in einer besonderen Schrift, in "Andron", die der Leipziger Typograph Andreas Stötzner entwickelt hat.

"Einen Ostthüringen-Bezug weist das Buch ´Die Entenrepublik Gamsenteich - Über Demokratie und Gemeinschaft´ von Bertram Haude und Jens Volz auf", sagt Dünkel. Die Künstler sind dafür in die Rolle von "Entologen" geschlüpft und haben Enten an einem Teich in Neustadt/Orla erforscht. Ergänzt wird der von Claudia Siegel gestaltete Bericht durch vergleichbare Betrachtungen aus dem Reich der Menschen, durch Fotos und eine ausklappbare Bildtafel des Teiches.

Neben der Bücherschau wird die Ausstellung "Exlibris - Am Anfang stand ein Name" eröffnet. Sie präsentiert mit 100 Bucheignerzeichen einen Ausschnitt der beim Wettbewerb der Deutschen Exlibris Gesellschaft eingereichten Arbeiten, darunter ein Blatt des Geraers Kai Voigtmann. Sein humoristisches Exlibris für ein Kochbuch gewann einen der drei ersten Plätze.

Vor der heutigen Vernissage hält die Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst, Uta Schneider, um 18 Uhr den Vortrag "Das Auge liest mit". Zur Eröffnung um 19.30 Uhr wird u.a. Sabine Schemmrich vom Museum Schloss Burgk eine Einführung in die Exlibris-Schau geben.