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03.07.2007

Die Zeche zahlen in Form von Literatur

von sb TLZ

Wildschweinpastete an Tempranillo-Sauce wird in einer noch zu verfassenden Geschichte von Gisela Kraft (l.) eine Rolle spielen. Sie und 14 weitere Schriftsteller wurden im Restaurant Anno 1900 bekocht und dürfen die Zeche in Form von Geschichten zahlen, in denen einer der 15 Gänge sowie eine Tischgesellschaft vorkommen müssen. Wenig überraschend: Keiner der angesprochenen Autoren habe die Einladung ablehnen können, verrät Anno-Wirt Sebastian Loy. Foto: tlz/Brandt

Weimar. (tlz/sb) Ohne das Thüringer Literatur-Orakel befragen zu müssen, wissen wir, dass in einer der nächsten Geschichten von Lutz Rathenow ein Zander im Wurzelsud seinen Platz erhalten wird, dass Gisela Kraft eine Wildschweinpastete besingen und Matthias Biskupek eine literarische Neben- oder Hauptrolle an eine Spargel-Orangen-Variation vergeben wird. Diese drei und noch ein ganzes Dutzend Autoren mehr werden nicht nur fantasieren von derlei Köstlichkeiten, sie haben sie sich auch auf ihren Zungen zergehen lassen. Und dies geschah gestern Abend.
Das Restaurant "Anno 1900" hatte Literaten zu einem 15-Gänge-Menü eingeladen. "Geschlossene Gesellschaft", hieß es daher auf der Tafel vor der Türe. Denn beim Verzehr von so vielen Gängen sollte nichts überstürzt werden: Die Dichter durften Wein und Speisen runde sieben Stunden zusprechen.

Wirt Sebastian Loy testet mit seiner Einladung ein neues Verfahren, die Zeche zu kassieren: Jeder der 15 Autoren wird im Gegenzug zur Diner-Einladung eine Geschichte verfassen, in der einer der Gänge vorkommt. Die Geschichten, für die der Autor Alban Nikolai Herbst eine Rahmenhandlung entwickelt, sollen im Frühjahr 08 als Buch erscheinen. Auf diesen ungewöhnlichen PR-Pfad war Loy von der Literaturstudentin Ricarda Herbrand geführt worden.