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23.03.2002

Die vergessenen Träume erweckt

von Querengässer Ostthüringer Zeitung

Die vergessenen Träume erweckt

Jena (OTZ/rq). Mit Steffen Mensching hatten der Verein Lese-Zeichen und die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen wieder einen renommierten Autor nach Jena geholt. Der Berliner stellte am Mittwoch in der Abbe-Bibliothek ein Buch vor, für dessen Herausgabe er sich eine "Kärrnerarbeit" auferlegt hatte, wie Dr. Martin Straub von Lese-Zeichen sagte. Aus 2500 Handschrift-Seiten des Lyrikers Rudolf Leonhard entstand "Das Traumbuch des Exils". Rund ein Fünftel der von Leonhard ab 1941 in französischen Internierungslagern und Gefängnissen festgehaltenen eigenen Träume hat Mensching für den Band aus dem Aufbau-Verlag ausgewählt. Er hatte das zwischen zwei Holzdeckel verschnürte Konvolut im Archiv der Akademie der Künste entdeckt. Die ungewöhnliche Prosa ließ ihn nicht mehr los. So erfüllte sich Leonhards tiefer Wunsch nach Drucklegung der unter schlimmen Lebensumständen geführten Aufzeichnungen nun doch noch. Mensching reicherte das Lesen der Traumstücke mit Informationen an über den jüdischen Autor, über dessen Freunde und Verwandte, über seine Rolle in der Literaturszene. Das war von ihm, der sich bei der Arbeit an diesem Buch zu einem Leonhard-Kenner entwickelte, spannend zu hören. Zu den mitunter sehr intimen Traumsequenzen kam somit deutsche (Literatur-)Geschichte. Rudolf Leonhard, bekennender Kommunist, starb 1954 in der DDR. Eine Chance auf die Veröffentlichung seines Traumbuches hatte der unangepasste Autor nie. Es ist Mensching und dem Aufbau-Verlag zu danken, dieses literarische Werk vorm Vergessen bewahrt zu haben.

22.03.2002