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19.04.2013

Die Thüringer Literaturzeitschrift Palmbaum feiert 20. Geburtstag

von Heinz Stade Thüringer Allgemeine

Karl-Georg Hirschs Palmbaum-Holzstich wird heute zur Lesung in Jenas Villa Rosenthal vorgestellt und kann zum Vorzugspreis von 49,90 Euro erworben werden. Foto: privat

Jena. Auch ein Palmbaum kann einen auf die Palme bringen. Für jede Ausgabe dieses Literaturjournals habe man etwa 40 Autoren, sagt Chefredakteur Jens-Fietje Dwars. "Das ist wie Flöhe hüten. Alle überziehen - die Beiträge wie die Lieferzeiten." Aber am Ende geschieht jedes Mal das kleine Wunder: Alles wird irgendwie doch noch gut.

Schon möglich, dass heute auch davon die eine oder andere Geschichte zu hören ist. Denn mit einer für jedermann offenen Feier in Jenas Villa Rosenthal begehen ab 19 Uhr Autoren, Künstler und Leser den 20. Geburtstag des Palmbaum.

Herausgeber des Literarischen Journals ist die ebenfalls vor zwei Jahrzehnten in Jena gegründete "Thüringische Literarhistorische Gesellschaft Palmbaum." Sie sieht sich in der Tradition der "Fruchtbringenden Gesellschaft", welche 1617 in Weimar gegründet wurde.

Aus regionaler Verwurzelung ins Weltoffene strebend, hat die Jenaer Gesellschaft sich nicht die heimische Tanne zum Zeichen erwählt, sondern wie die "Fruchtbringer" im Barock den vielfältig nutzbaren Palmbaum. Vorsitzender des Vereins ist Detlef Ignasiak, Chef des Quartus Verlages. Ignasiak war es auch, der die zunächst viermal jährlich erschienene Zeitschrift begründete unddann lange auch redaktionell betreute.

Fortbestand des Journals war mehrmals gefährdet

Mehrfach stand der Fortbestand des Journals in Frage, doch wirklich dazu gekommen ist es zum Glück nie. 2005 übernahm der in Jena lebende Autor, Film- und Ausstellungsmacher Jens-Fietje Dwars die Redaktion des fortan zweimal pro Jahr jeweils im Umfeld der Buchmessen in Leipzig und Frankfurt erscheinenden Journals.

Mit Dwars erfuhr das bis dahin konservative Erscheinungsbild der Publikation eine Modernisierung. Er lässt seither den Einband jeder Neuerscheinung unikat von einem Thüringer Künstler gestalten. Für die Titelgestaltung des zum heutigen Jubiläum vorliegenden Heftes Nummer 56 konnte er mit dem 75-jährigen Karl-Georg Hirsch einen der renommiertesten Grafiker Deutschlands gewinnen.

Das mit 252 Seiten bislang umfangreichste Heft - der Gattungsbegriff Buch scheint da längst angebracht - spürt im Titelthema der Frage nach "Buchkunst oder Was ist ein schönes Buch?" Antworten geben u.a. die Bibliophilen Herbert Kästner und Carsten Wurm, die Autoren Wilhelm Bartsch, Hubert Schirneck und Peter Gosse, der Kupferstecher Baldwin Zettl, der Verleger Elmar Faber und der Maler Gerd Sonntag.

Reich illustrierte Beiträge zur Geschichte der Thüringer Buchkunst reichen vom Landgrafenpsalter über Bucheinbände der Reformation und Titelgestaltungen in Barock, Klassik und Moderne bis zu Künstlerbüchern aus dem Untergrund der DDR und der von Museumsmann und Verleger Jens Henkel geführten Rudolstädter Burgart-Presse.

Neben den Standardrubriken Neue Lyrik & Prosa, Rezensionen und Literarische Spurensuche steuerten Jan Philipp Reemtsma, Klaus Manger und Horst Peter Meyer Texte zur Wieland-Ehrung bei. Der Palmbaum-Chefredakteur Dwars interviewte für das Heft Prof. Wolfgang Holler zur neuen Ausstellung im Goethe-Nationalmuseum Weimar. Zudem führte er ein Gespräch mit Karl-Georg Hirsch, der nicht nur den Einband gestaltet, sondern zum 20. Geburtstag des Journals eine 50 nummerierte und signierte Exemplare umfassende Vorzugsgrafik geschaffen hat.

Die Hinwendung zu künstlerischer Umschlaggestaltung füllt inzwischen so etwas wie eine Galerie namhafter Thüringer Künstler von Gerd Mackensen und Horst Peter Meyer über Walter Sachs bis zu Horst Sakulowski und Dieter Weidenbach.

Palmbaum, Heft 1 /2013: Quartus Verlag 9,90 Euro (mit Origi-nalgrafik 59,90 Euro)