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20.10.2012

Die Stadtbibliothek Neustadt/Orla feiert 100. Geburtstag

von Dr. Tatjana Mehner Ostthüringer Zeitung

Diplom-Bibliothekarin Alexandra Junge (links) und die Fachangestellte für Medien- und Informationstechnik Rahel Schwabe vor der Stadtbibliothek Neustadt. In der Orlastadt wird die Gründung der Volksbücherei vor 100 Jahren gefeiert. Foto: Peter Cissek

Die Bücherei entwickelt sich von der bürgerlichen Lesesammlung zur modernen öffentlichen Bibliothek. Zu DDR-Zeiten nimmt das Haus sogar eine Vorreiterrolle ein.

Eigentlich war es der 1. Oktober 1835, als wohlhabende Neustädter Bürger einen Antrag an den Stadtrat stellten, um eine Art Stadtbibliothek zu gründen. Ein Grundstock von 180 Büchern war es, den Buchhändler Eduard Stückrath vorschlug.

Heute weist der Katalog der Stadtbibliothek Neustadt/Orla 26"364 Buchtitel auf. Warum man heute aber den 100. Geburtstag der Einrichtung feiert? Im Jahre 1912 übernahm die Stadt Neustadt/Orla dann die Verantwortung für eine Bibliothek, die komplett der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Historisch betrachtet ist das früh. Auch die Deutsche Bücherei in Leipzig, die deutsche Nationalbibliothek, feiert in diesen Tagen ihr 100-jähriges Bestehen.

Dass die Bestände der Neustädter Bibliothek noch heute kostenfrei den Nutzern zur Verfügung stehen, und damit nach wie vor auch jungen Menschen den Zugang zum Buch ermöglichen, die kein Elternhaus mit gefüllten Bücherregalen haben, freut Bibliotheksleiterin Alexandra Junge besonders.

Aber längst ist die Neustädter Bibliothek in ihren sanierten Räumen nicht mehr nur ein Treff für Literaturfreunde. Die vielfältigen Veranstaltungen sind eine feste Größe im Neustädter Kulturleben geworden.

In ihrer wechselvollen Geschichte hat die Einrichtung einiges erlebt - die Umzüge lassen sich nicht wirklich zählen. Aber auch solch faszinierende Ereignisse wie die Ernennung zur Vorzeigebibliothek des Bezirkes Gera im Jahre 1961/62 finden sich in den Annalen der Bücherei. Damals wurde sie als erste Freihandbibliothek zur Musterbibliothek ernannt. Das heißt, zuvor musste man sich den gewünschten Titel noch vom Bibliothekar aus dem Magazin bringen lassen.

Obgleich die Bibliothek Neustadt/Orla an dieser Stelle nicht mehr der Trendsetter sein kann wie damals vor 50 Jahren, auch heute verschließt man sich nicht den Zeichen der Zeit - auch wenn das klassische Medium Buch seinen festen Platz in den Neustädter Regalen bewahren wird, wie Junge verspricht. Der Initiative des Thüringer Bibliotheksverbandes, den Nutzern angeschlossener Bibliotheken Zugang zu E-Medien zu verschaffen, wollen die Neustädter in nächster Zeit beitreten. Doch zunächst steht die Geburtstagsfeier an. Mit einem festlichen Programm aus Lesungen, Foren und einem Festakt begeht die Einrichtung in diesen Tagen würdig das Jubiläum.