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29.01.2010

Die Sprach Detektive


Jena. (tlz) "Schreiben ist eine detektivische Tätigkeit. Es geht darum, Beziehungen offenzulegen, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind. Der erste Schritt ist es, sich auf Beobachtungen einzulassen, dann kommt die Reflexion darüber und dann erst der Text." Moritz Anton Gause ist 23 Jahre alt, studiert Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität und wollte als Kind einmal Detektiv werden. Heute schreibt er.

"Ich habe einfach sehr viel gelesen. Für mich war es logische Konsequenz, auch selbst etwas zu schreiben", sagt er. Seit Mai 2009 organisiert er gemeinsam mit den Studenten Romina Voigt und Johannes Lange die "Lautschrift", eine Veranstaltung, die Schülern und Studenten die Möglichkeit gibt, regelmäßig ihre literarischen Texte öffentlich vorzutragen. Unter der Leitung von Julia Neuendorf, Wiebke Köplin und Christian Triebelt erfreute sich "Lautschrift" bereits in den Jahren 2006 und 2007 großen Zuspruchs in Jena. Nach einer Pause übernahmen Romina Voigt, Moritz Anton Gause und Johannes Lange mit Unterstützung der Literarischen Gesellschaft Thüringen dann die Organisation der "Lautschrift".

Die Texte, die bei dieser Veranstaltung gelesen werden, sind Spiegel der jungen Generation. Direkt, offenherzig und unzensiert schreiben die jungen Menschen über ihre Erfahrungen und über das, was sie bewegt. Manchmal sind es die Kleinigkeiten, - die belauschten Handygespräche in der Straßenbahn oder die Beobachtungen an einem Bahnhof - aus denen absurde Miniaturen entstehen. Inspiration scheint es überall zu geben, die Themenvielfalt der vorgetragenen Texte beweist das. Ein "Lautschrift"-Abend ist immer ein Abend in verschiedenen Klangfarben, von tief schwarzhumorig bis erhellend.

Im vergangenen Jahr wurde "Lautschrift" im Café Wagner veranstaltet, seit diesem Jahr lesen die jungen Autoren im Kunsthof in der Ballhausgasse. "Hier ist die Atmosphäre für so eine Veranstaltung noch besser. Die Autoren sitzen nicht auf einer Bühne, sondern nahe am Publikum, so kann man die Reaktionen der Zuhörer als Autor besser wahrnehmen", sagt Moritz Anton Gause. Begleitet wird die Lesung immer von einer Band. "Ich finde es wichtig, dass mit Musik die richtige Stimmung geschaffen wird."

Das Konzept der Organisatoren geht auf: Die erste "Lautschrift" im Kunsthof zog ein breites Publikum an. Junge, literaturinteressierte Menschen, die sich gern auf den Text einlassen, sitzen gespannt auf Sesseln und Barhockern, das Licht ist gedämpft, an einem kleinen Tisch nehmen abwechselnd die Lesenden platz - eine Schreibtischlampe erhellt ihnen den Blick auf das Papier. Dann entfalten sich die Geschichten im Raum. Nach den Veranstaltungen bleibt Zeit, um über das Gehörte zu reden - für die jungen Autoren immer auch eine Möglichkeit, die Wirkung ihrer Texte zu überprüfen.

Bei jeder Veranstaltung präsentieren vier bis fünf Autoren ihre bisher unveröffentlichten Gedichte und Kurzgeschichten. "Wir versuchen, bei der Auswahl der Autoren für einen Lautschrift-Abend immer eine Mischung zwischen erfahrenen und weniger erfahrenen Schreibern herzustellen. Auf der einen Seite müssen wir sicher gehen, dass Texte dabei sind, die das Publikum wirklich unterhalten, auf der anderen Seite wollen wir natürlich auch den Autoren eine Chance geben, sich vorzustellen, deren Texte noch nicht so ausgereift sind", sagt Moritz Anton Gause.

Moritz Anton Gause selbst wurde beim "Jungen Literaturforum Hessen Thüringen" für sein Gedicht "Jena Paradies" ausgezeichnet. Das Junge Literaturforum wurde 1984 gegründet und wird seit 1991 gemeinsam mit dem Thüringer Kultusministerium veranstaltet. Es vergibt zehn Förderpreise à 500 Euro. Außerdem können 15 Preisträger an einem Wochenendworkshop mit erfahrenen Schriftstellern teilnehmen.

"Über diese Schreibwerkstätten knüpft man schnell auch Kontakte zu anderen Autoren. Mittlerweile kommen zur ´Lautschrift´ auch junge Leute aus Hessen, um zu lesen." Die "Lautschrift"-Texte werden in einem Heft veröffentlicht, das im Kunsthof erhältlich ist. Außerdem wird die Veranstaltung auf Radio OKJ gesendet.

i Die nächste "Lautschrift" wird am Sonntag, 7. Februar, 20.30 Uhr in der Galerie Kunsthof Jena, Ballhausgasse 3, veranstaltet.