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22.10.2010

Die Melancholie des Humoristen

von Kai Agthe TLZ

Matthias Biskupek zum 60. Geburtstag am 22. Oktober.

 

Kerstin Hensel ist es gewesen, die einmal mit Blick auf den Kollegen Biskupek sagte, dass in jedem Humoristen immer auch ein Melancholiker stecke. "Es stimmt", meint Matthias Biskupek. Das mag, wer ihn kennt, kaum glauben. Denn der in Rudolstadt lebende Autor hat sich bis heute ein beneidenswert jungenhaftes und unbeschwertes Wesen bewahrt. Danach gefragt, ob er - der als einer der bekanntesten ostdeutschen Schriftsteller gelten darf - sich als Humorist oder als Satiriker verstehe, antwortet Biskupek, dass er beides sei. Denn der Humorist, so Biskupeks Definition, nimmt die Welt so hin, wie sie ist, während der Satiriker noch an deren Veränderbarkeit glaubt. Zwischen diesen Polen oszilliert Biskupeks Schreiben. Obwohl er bereits als Schüler die Literatur für sich entdeckte, und verschiedene Schreibzirkel besuchte, war sein Weg zur Schriftstellerei voller Umwege. Im sächsischen Mittweida aufgewachsen, studierte Matthias Biskupek zunächst in Magdeburg Kybernetik und war dann als Systemanalytiker im Chemiefaserkombinat Schwarza tätig. Den Großbetrieb gab er bald für das Theater Rudolstadt hin, wo er ab 1976 u. a. als Regieassistent wirkte. Von diesem wechselte er zum Kabarett "Fettnäppchen" in Gera, für das er von 1979 bis 1983 als Dramaturg und Autor tätig war. Er wäre länger geblieben, doch wegen eines unbotmäßigen Sketches hatte man ihm, wie er später erfuhr, quasi Berufsverbot bei vollem Lohnausgleich verordnet. Das Geraer Kabarett tauschte er gegen das heimische Kabinett. Sein Schreibtisch steht noch immer im Schatten der Heidecksburg, wo - wenn er nicht gerade in Berlin Kultur tankt - seine Geschichten, Feuilletons, Kabaretttexte, Kritiken und Radio-Features entstehen. Matthias Biskupek nennt sich deshalb einen "Kleinvieh-Dichter", weil bekanntlich auch literarisches Kleinvieh Mist macht. Er gesteht, dass ihm die große Form nicht liege: "Ich bin kein Romancier." Dass er mit "Der Quotensachse" (1996) sehr wohl einen Roman vorgelegt hat, macht diese Aussage nur noch charmanter. Im Moment arbeitet Matthias Biskupek, der stets Ideen für mindestens ein Dutzend literarischer Projekte im Kopf hat, an einem Buch mit 66 Kurzgeschichten, das den typisch biskupekschen Titel tragen soll: "Der Rentner-Lehrling". Wer mag, kann auch seinen täglichen Biskupek haben. Denn er erlaubt einen Blick über seine Schulter ins Tagebuch, das sich auf seiner Internetseite findet: www.matthias-biskupek.de. Es ist kaum zu glauben, dass Matthias Biskupek, der so viel Jungenhaftes ausstrahlt, nun 60 Jahre alt wird. Wir nehmen es so hin und gratulieren ihm zu seinem Geburtstag - sehr herzlich!