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26.05.2011

Die letzten Helden

von Roland Barwinsky Allgemeiner Anzeiger

Landolf Scherzer stellt am 3. Juni um 19 Uhr einige seiner zeitlosen Reportagen im Rathaus Gefell vor. Diese im Rahmen der diesjährigen Thüringer Literaturtage stattfindende Lesung ist kostenlos. Zugleich gelang es damit erstmals, die erwähnte Kleinstadt in dieses weithin bekannte kulturelle Ereignis einzubinden. Der 70 Jahre alte Autor recherchierte für sein neues Buch „Letzte Helden“ auch in der Ukraine. Das die dabei von ihm thematisierte Problematik Atomkraft wieder derart aktuell werden würde, ahnte er natürlich nicht. Vor Ort versuchte der Thüringer mit Tschernobyl-Überlebenden ins Gespräch zu kommen. Und außerdem hatte er vor, den einstigen Todes-Reaktor aus der Nähe zu besichtigen. Erleben musste der Reisende dann leider die zumeist traurigen Schicksale der Opfer des „unsichtbaren schwarzen Todes“. Die seit dem Super-Gau mit ihren Problemen zumeist alleine gelassen wurden und noch immer werden. Landolf Scherzer schrieb deswegen über dieses einschneidende Ereignis, welches vor genau 25 Jahren die Welt veränderte: „…Anschließend durchstreiften Jagdkollektive die leeren Dörfer und erschossen die Menschen suchende zutraulichen hochverstrahlten Katzen und Hunde. Und Soldaten trugen die verseuchte Erde ab. Und begruben Erde unter Erde…“ Er machte außerdem die Erfahrung, dass viele gut gemeinte Hilfsangebote buchstäblich im Dickicht des ukrainischen Korruptionssumpfes versickern. Eine bittere Erkenntnis. Denn bei den wirklich Bedürftigen landete zumeist nichts. Unter dem Eindruck der neuen Atomkatastrophe in Japan hat der Schriftsteller soeben ein Hörbuch mit eigenen Texten besprochen. Mit dem Erlös dieser CD namens „Zwei Versuche, mich Tschernobyl zu nähern“, die auch in Gefell angeboten wird, soll mit Radionukliden belasteten Kindern ein Genesungsaufenthalt in nicht verstrahlten Gebieten ermöglicht werden. Überzeugend sind ebenfalls andere Reportagen von ihm. Beispielsweise seine Geschichte von Heinz Wudy, dem umtriebigen Jugendbridadier in einem einst volkseigenen Betrieb in Suhl. Scherzer reizte es, zu erfahren, was aus den einstigen „Helden der Arbeit“ geworden ist. Erneut bewies der Schriftsteller dabei sein Talent für

spannungsgeladene Zeilen. Einfach war sein Unterfangen nämlich nicht. Viele der Angesprochenen weigerten sich schlichtweg über die damalige Zeit zu sprechen. Andere wiederum lieferten dem Suchenden nach einigen Anlaufschwierigkeiten tiefgründiges Erinnerungsmaterial für sehr nachdenkliche Geschichten. Was ebenfalls für eine andere von ihm niedergeschriebene Episode zutrifft. So arbeitete der Autor eine Woche lang bei einer „Tafel“ für so genannte Bedürftige in Eisenach mit. Zeit genug, um zu erfahren, wie schnell Biographien aus der Mitte dieser Gesellschaft in die Almosenabteilung abdriften können. Verharmlosend wird so etwas „sozialer Abstieg“ genannt. Für die Betroffenen selbst bedeutet dies oft die harte Landung am Rand der hierzulande geltenden recht fragwürdigen Werteskala …


VERLOSUNG

Der Allgemeine Anzeiger Thüringer Vogtland verlost mit freundlicher Unterstützung des Aufbau-Verlags drei Bücher Letzte Helden“ und ein Exemplar von „Die Fremden“ on Landorf Scherzer. Interessenten können am morgigen Donnerstag von 10 bis 10.15 Uhr unsere Gewinn-Hotline 036628/49743 anrufen. Die Gewinner werden aus allen eingehenden Anrufen ausgelost!