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10.12.2013

Die etwas andere Winterreise

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Jens-Uwe Bogadtke (links) und Gitarrist Rainer Rohloff mit dem Stück „Die Winterreise“ bei ihrem Gastspiel am Donnerstag (5.12.) in Ranis. Foto: Mario Keim

Stück von Franz Schubert erklingt mit Gitarre. Lese-Zeichen mit würdigem Jahresausklang auf der Raniser Burg

Ranis (OTZ/Mario Keim). Fünf Jahre waren Jens-Uwe Bogadtke und Rainer Rohloff auf Tournee, um „Die Winterreise“ von Franz Schubert auf ihre Weise zu interpretieren. Am Sonntag soll im Berliner Theater im Palais der letzte Vorhang fallen, und zwar genau dort, wo das Projekt einst startete. Am Donnerstag waren der Schauspieler Bogadtke und Gitarrist Rainer Rohloff zu Besuch in Ranis. Mit dem Liederzyklus „Die Winterreise“ ist dem Verein Lese-Zeichen wieder ein würdiger Jahresabschluss mit einer musikalisch-literarischen Veranstaltung geglückt. Ausgerechnet an diesem denkwürdigen Abend sollte das Orkantief für eine kleine Runde unter den Besuchern sorgen.

Schon drei Jahrzehnte vor der Erstaufführung schlummerte in Jens-Uwe Bogadtke die Idee, Schuberts „Die Winterreise“ schauspielerisch umzusetzen. Einzig die musikalische Umsetzung war dem heute 56-Jährigen unklar. Mit dem Gitarristen Rohloff kam ihm die zündende Idee. „Dann kriegen wir eine andere Form hin“, freute sich der Schauspieler über das Zusammenspiel der beiden Berliner, ist doch das Stück mit 24 Texten im Original für Klavier geschrieben worden. Jens-Uwe Bogadkte, der die Gedichte singt, hält sich an die originalgetreuen Texte aus der Feder von Wilhelm Müller. Frei Interpretiert sind die Monologe dazwischen. Diese Texte entstammen der Feder von Barbara Abend. Die Autorin und Regisseurin nutzte Biographien über Franz Peter Schubert (1797 – 1828), den Wiener Komponisten, der nur 31 Jahre alt wurde.
Man merkt dem Schauspieler Bogadtke an, dass ihm die Texte auf den Leib geschrieben sind. Hervorragend ist außerdem das Gitarrenspiel von Rainer Rohloff. Das Programm gleicht einem Liedermacherabend der Gegenwart und tatsächlich könnte der Stoff der heutigen Zeit entnommen sein.
„Da ist ein junger Mann, in unglücklicher Liebe, eingeengt durch Familie und gesellschaftliche Verhältnisse, aus denen er sich nicht befreien kann. Er sucht einen Ausweg und findet ihn in der Musik. Ein Schicksal im Heute, Hier und Jetzt? Nein - es ist die Geschichte von Franz Schubert vor über 200 Jahren“, heißt es in dem Pressetext dieses außergewöhnlichen Programmes.
Schubert hinterließ 600 Lieder und zwölf Sinfonien, der Liederzyklus „Die Winterreise“ mit dem Lied „Am Brunnen vor dem Tore“ ist eines seiner bekanntesten Werke.

„Es war ganz toll, weil man das Stück sonst nur mit Klavier kennt“, sagte Katrin Gottstein über einen gelungenen Konzertabend.
Die Lieder waren mal verträumt, mal fröhlich, aber auch wieder schwermütig, sodass das Programm gut in die dunkle Jahreszeit passte.
Mit den Worten „Nie angekommen, immer auf dem Weg“, beschrieb Jens Uwe Bogadtke den Schöpfer des Werkes. Die „Spurensuche eines Winters“ widmete sich einem „Liedermacher, wie es vor ihm keinen gab“, dem der Sänger und Schauspieler des Abends brillant nacheiferte.