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07.05.2010

Dichterin tanzte zum alternativen Frauentag: Barbara Thalheim erinnert im Konzert an Gisela Kraft

von Frank Quilitzsch TLZ

Oft schon hat sie ihr Herz verloren: an ihre alte Studentenbude in Berlin-Schönhausen, an die Kinder der Nacht, an Paris, die verlockende Fremde - und zuletzt an Guinea.

Weimar. Die Liedermacherin Barbara Thalheim war in Afrika unterwegs, als sie vom Tod ihrer künstlerischen Weggefährtin, der Schriftstellerin Gisela Kraft, erfuhr. "Ich wäre sonst zur Trauerfeier nach Weimar gekommen", sagt sie. "Gisela war eine außergewöhnliche Frau und Dichterin - verspielt und hochgebildet, eine Poetin und zugleich eine Intellektuelle."

Auf dem Heimflug gingen ihr gemeinsame Erlebnisse durch den Kopf, und sie beschloss, ihren Auftritt bei den Weimarer Lesarten am 7. Mai um eine Hommage an die verstorbene Lyrikerin zu erweitern. "Meine Erinnerung an Gisela Kraft ist eine sehr heitere", betont Barbara Thalheim, die den Mittelteil ihres Konzerts in der Jakobskirche der Weimar-Preisträgerin widmet. Sie werde zwei Lieder mit Texten von ihr vortragen und Anekdoten einstreuen - zum Beispiel jene von der alternativen Frauentags-Tour 1986: "Das war eine schräge Performance, eine Persiflage auf die zum Ritual versteifte politische Feierkultur der DDR." Mit von der Partie waren noch die Sängerin Pascal von Wroblewsky, die Schauspielerin Annekathrin Bürger und der Puppenspieler Peter Waschinsky. An einem 8. März seien sie in einem Kino in Halberstadt aufgetreten, vor 400 ausgezeichneten Frauen, die gerade ihre Urkunde empfangen hatten. "Die nahmen ihre Urkunden und schlugen damit rhythmisch auf die Sitzlehnen. Irgendwann kam der Veranstalter auf die Bühne und erklärte unseren Auftritt für beendet."

Schade, so wurde den begeisterten Frauen der Höhepunkt der alternativen Show vorenthalten. "Nach einem Lichtwechsel pflegte Gisela Kraft auf den Tisch mit der Torte zu klettern und zu türkischer Musik eine Bauchtanz-Nummer hinzulegen. Wir halfen ihr wieder herunter, und sie rezitierte ihr Gedicht ,An den zeitlosen Geliebten' - solche Brüche waren nur mit ihr möglich."

Das Motto der Weimarer Lesarten 2010 lautet "Leidenschaften" - und das ist auch Barbara Thalheims Thema. In der Jakobskirche tritt sie mit ihrem Pariser Akkordeonisten Jean Pacalet und dem in Suhl geborenen Jazz-Gitarristen Rüdiger Krause auf, der auch Manfred Krug, Uschi Brüning und Günther Fischer begleitet. Barbara Thalheim wird neben eigenen Songs vor allem Lieder von ihrem aktuellen Album "herzverloren" vortragen - wunderbare Chansons einer jüngeren französischen Sängergeneration. Das sind nicht nur rein musikalische Liebeserklärungen, denn bei jedem Auftritt setzt die Thalheim ihr "Je t'aime" gegen Opportunismus, Raffgier und Spekulantentum und feiert leidenschaftlich das Leben.

Freitag, 7. Mai,  20 Uhr, Jakobskirche in Weimar