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02.03.2003

Deutsch-irakische Lesung

Algemeiner Anzeiger

Leidenschaftliche Volkspoesie

Jena. Der derzeitigen Nachrichtenflut etwas entgegenzusetzen sei das Anliegen der deutsch-irakischen Lesung, zu der Dr. Martin Straub vom Verein Lesezeichen viele interessierte Gäste am Mittwoch in der Emst-AbbeBücherei begrüßen konnte. Veranstaltet wurde die Lesung unter dem Dach des PEN-Zentrums Deutschland und des Writers-for-Peace-Komitees.
Die Zeit-Reise unter dem poetischen Titel "Die Farbe des Brotes: Irak" durch die reiche Kultur und Geschichte eines Landes, das jetzt am Abgrund eines Krieges steht, machte nachdenklich.
Die beiden Autorinnen, die in Babylon geborene Ikbal Hassoon, jetzt schon lange in Berlin lebend, und die Islamwissenschaftlerin Gisela Kraft aus Weimar vermittelten mit Proben irakischer Exilliteratur und eigenen Texten ein Bild dieses Landes. Mit ihrem Blick auf unser Land thematisiert die Exil-Irakerin das Leben in Ost-Berlin, beispielsweise Einsamkeit. Bereitwillig ging sie auf Fragen ein. Trotz Diktatur sei eine Welle ernstzunehmender Literatur im Irak entstanden. Drei von 22 Millionen Irakern lebten derzeit im Exil. Gisela Kraft erzählte wie sie 1988 im Irak eine Dichterlesung erlebte. Poesie würde dort ungewohnt leidenschaftlich aufgenommen.
Mit einem geschichtlichen Zitat eines Kalifen sprach Frau Hassoon die ganze Tragweite an:
Wer ins Land reinkommt sei ein Verlorener, wer gesund rauskommt ein Neugeborener.