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10.06.2002

Der Metal-Doktor

von Gespräch: Ulrike Michael Ostthüringer Zeitung

Er ist nicht nur ein Doktor der Philosophie, sondern auch Sachverständiger für Hard´n Heavy-Musik. Ein Widerspruch? Nein, keinesfalls, denn der eingefleischte Heavy-Fan Frank Schäfer (36) aus Braunschweig bricht mit dem Vorurteil, dass diese Musik vorwiegend von weißen, männlichen (siehe Rocklexikon von Graves/Schmidt-Joos) gehört wird. Zu den Thüringer Literatur- und Autorentagen wird er am Samstag, 17 Uhr auf Burg Ranis aus seinem "Heavy Metal" lesen.

Für wen haben Sie Ihr Buch geschrieben - für Metal-Fans oder Laien?
Sowohl als auch. Die das Genre nicht kennen, werden es vermutlich auf den Faktengehalt hin lesen, also als Sachbuch. Aber die, die ohnehin schon alles wissen, haben vielleicht trotzdem Spaß daran, weil ich mich um eine literarische Verarbeitung bemüht habe.

Sind Sie selbst Fan?
Ja, aber ein kritischer, wenn es das gibt! Kritisch auch insofern, als ich die gelegentlich wunderbaren, gelegentlich aber auch nur peinlichen Elaborate dieses Genres in Zeitungen und Zeitschriften bespreche.

Was macht ein Doktor der Philosophie in dieser Szene?
Den dumpfen Metal-Hörer, wie man ihn sich vorstellt, in Kutte, stets besoffen, den gibt es zwar, aber eben doch nicht nur. Ich kenne eine ganze Menge Leute, die man wohl als Intellektuelle bezeichnen muss, auch wenn sie das nicht gern hören, die in all den Jahren so etwas wie Fans geblieben bzw. geworden sind.

Sie haben einige Bands besonders vorgestellt. Wegen ihres Bekanntheitsgrads?
Die "glorreichen Sieben", also AC/DC, Metallica, Kiss, Black Sabbath, Motörhead, Judas Priest, Iron Maiden, denen ich je ein eigenes Kapitel widme, sind einfach die einflussreichsten Bands des Genres. Ansonsten habe ich versucht, auf Repräsentativität zu achten, also alle Subgenres wie Speed Metal, Thrash, Black, Gothic etc. zu bedenken.

Sie haben Erfahrungen von eigenen Konzertbesuchen mit einfließen lassen?
Ja, ich bin regelmäßiger Konzertgänger, schreibe auch gelegentlich drüber, aber ins Buch habe ich nur besonders außergewöhnliche Konzertereignisse aufgenommen, wie das Wacken Open Air, das größte Metal-Festival der Welt, das alljährlich in Schleswig-Holstein stattfindet.

Was ist daran besonderes?
Das ist schon sehr skurril, wenn der Bauer seine Joppe gegen die rote Ordnerjacke tauscht und für ein Wochenende den Kartenabreißer spielt!

Sind Sie der einen oder anderen Band persönlich näher gekommen?
Eher nicht. Mich interessieren die Menschen hinter den Instrumenten auch gar nicht so sehr. Mir geht es wirklich in erster Linie um die Musik: Wie sie funktioniert, wie sie strukturiert ist, wo die Unterschiede, wo Gemeinsamkeiten sind.

Das liefern doch schon Fachzeitschriften und-bücher, oder?
Der Musikjournalismus geht den Images auf den Leim, betreibt Heldenverehrung, da bleibe ich doch lieber beim Wesentlichen und beschreibe möglichst genau und möglichst schön, was ich höre.