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06.04.2010

Der fünfte Erfurter Stadtschreiber im Interview

von M. Koity Ostthüringer Zeitung

Catalin Dorian Florescu, deutschsprachiger Schweizer Autor rumänischer Herkunft, liest am 08. April 2010 auf Burg Ranis. Foto: C. H. Beck

Fünfter Erfurter Stadtschreiber ist seit 1. April Catalin Dorian Florescu. Einer seiner ersten Termine in Thüringen führt den 1967 in Timisoara in Rumänien geborenen Autor auf Burg Ranis. Dort stellt er am Donnerstag, 19.30 Uhr, seinen in bereits fünf Sprachen übersetzten Roman "Zaira" vor.

Wie ordnet man Sie richtig zu: Sind Sie ein schweizer, ein rumänischer oder ein deutscher Schriftsteller?

Egal wie man mich definiert, es fehlt immer ein wesentlicher Teil. Ich verstehe mich als europäischen Autor deutschsprachiger Literatur.

 Was erwartet ihre Hörer auf Burg Ranis?

 Zaira ist das Buch eines Jahrhunderts. Faschismus, Kommunismus, der Prager Frühling und ein amerikanisches Leben bilden den Hintergrund der Biografie einer starken Frau, die in Rumänien die Kommunisten provoziert und in Amerika von der Tellerwäscherin zur geachteten Restaurantbesitzerin in Washington aufsteigt. Nur eins ist sie dort nicht mehr: Puppenspielerin. Damit war sie in Rumänien berühmt. Zaira gibt es wirklich.

 Verbinden Sie Ihre Lesungen mit Diskussionen?

 Meine Lesungen sind immer Begegnungen. Ich verwende genauso viel Zeit, um mich vorzustellen, wie für das Lesen. Ich bin ja nicht nur Autor, ich habe lange als Suchttherapeut gearbeitet. Ich präsentiere mein ganzes Universum, rede auch über Ost und West oder die Entstehung meines Buches.

 Sie haben unter anderem den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis und den Anna-Seghers-Preis bekommen. Wundert man sich in Ihren Lesungen, dass ein Rumäne preisgekrönte deutsche Literatur schreibt?

 Die Leute wundern sich nicht mehr als ich. Ich wundere mich, dass mir mit 15 Jahren die Sprache nicht abhanden kam, dass ich nicht verstummte in der Emigration, dass ich die Klugheit besaß, in der Schweiz Hochdeutsch zu lernen und nie aufzugeben, mich in dieser Sprache ausdrücken zu wollen. Außerdem gehöre ich zu einer ganzen Reihe von Autoren, die von anderswo kommen und die deutsche Literatur erneuern, in einem anderen Geist schreiben, die Fenster öffnen und mal kräftig lüften.

 Verbinden Sie Ihre drei Monate in Erfurt mit bestimmten Projekten?

 Mein Projekt heißt: Ich möchte Erfurt und den Menschen hier begegnen. Außerdem werde ich mein neues Buch vorantreiben. Gespräch: M.Koity

 

Donnerstag, 19.30 Uhr, Burg Ranis