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11.10.2010

Der eigene Weg zur Einheit

von Frank Quilitzsch TLZ

Unter dem Motto "Aufbrüche" erzählen Prominente im Oktober und November in der Weimarer Stadtbücherei vom Aufbruch '90. Den Auftakt macht Reinhard Höppner, ehemaliger SPD-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, am 13. Oktober.

Weimar. Weder dem Mathematiker Reinhard Höppner noch dem Bratschisten und Rechtsanwalt Lothar de Maizière hat man an der Wiege gesungen, dass sie einmal als Politiker hohe Ämter bekleiden. Auch der Altphilologe und Germanist Ingo Schulze hätte sich zu DDR-Zeiten nicht träumen lassen, dass er einmal als Zeitungsgründer die politische Wende in Altenburg begleiten würde. Völlig unvorbereitet sind die drei zu Protagonisten der sich überstürzenden Ereignisse seit Herbst 1989 geworden. Unter dem Motto "Aufbrüche" bieten sie ab diesem Mittwoch in der Stadtbücherei Weimar eine Nachlese zu 20 Jahre deutsche Einheit. Den Anfang macht Reinhard Höppner am 13. Oktober mit seinem Buch "Wunder muss man ausprobieren. Der Weg zur deutschen Einheit". Am 27. Oktober sprechen der Schriftsteller Ingo Schulze und die Malerin Gerda Lepke vom "Privileg des Vergleichs"; moderiert wird der Abend von der Journalistin Adelheid Wedel. Beide Veranstaltungen beginnen um 19.30 Uhr. Den Reigen beschließt Lothar de Maizière mit seinem Buch "Ich will, dass meine Kinder nicht mehr lügen müssen. Meine Geschichte der deutschen Einheit". Diese Veranstaltung am 17. November beginnt erst 21 Uhr, da de Maizière zuvor in Nordhausen die Ehrenbürgerschaft verliehen bekommt. Diese kleine Reihe führt die seit dem Kulturstadtjahr 1999 bestehende Kooperation zwischen dem Thüringer Lese-Zeichen e. V. und der Kulturdirektion Weimar fort. Veranstaltungsort ist, nach dem Kirms-Krackow-Haus und der Altenburg, seit dem Projekt "Freiheit, die ich meine ..." im vorigem Jahr, die Stadtbücherei Weimar.

Reinhard Höppner war von 1994 bis 2002 Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt. Ingo Schulze hat in Jena studiert, war von 1988 bis Anfang 1990 Chefdramaturg am Theater Altenburg. Nach einer kurzen Zeit als Wochenblatt-Verleger wurde er freier Schriftsteller. Gerda Lepke wurde 1939 in Jena geboren, studierte in Dresden Malerei und war 1989 Mitbegründerin der Dresdner Sezession. Lothar de Maizère wurde 1940 in Nordhausen geboren, studierte Musik und war Bratschist an mehreren Orchestern, ehe er noch ein Fernstudium der Rechtswissenschaft absolvierte. Seit 1975 war er als Anwalt tätig. Vom 12. April bis 2. Oktober 1990 war er der erste demokratisch gewählte Ministerpräsident der DDR. Die eingeladenen Akteure sprechen über ihren politischen Alltag, der Konfliktbereitschaft und Zivilcourage abverlangt. Sie sind unbequem, auch sich selbst gegenüber, wenn sie sich mit Irrtümern und Fehlern auseinandersetzen. Ihre Bücher sind ein Plädoyer für eine politische Kultur mündiger Bürger.

Reinhard Höppner am Mittwoch, 13. Oktober, 19.30 Uhr, Stadtbücherei Weimar

Adelheid Wedel im Gespräch mit dem Schriftsteller Ingo Schulze und der Malerin Geda Lepke am Mittwoch, 27. Oktober, 19.30 Uhr, Stadtbücherei Weimar

Lothar de Maizière am Mittwoch, 17. November, 21.00 Uhr, Stadtbücherei Weimar