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01.06.2011

Den Traum vom Schreiben leben: Verena Zeltner wird 60

von Susann Grunert Ostthüringer Zeitung

Kinderbuchautorin Verena Zeltner aus Neunhofen feiert am 1. Juni 2011 ihren 60. Geburtstag. Hier sitzt sie auf einem Steg vor ihrem Teich. Foto: Susann Grunert

Sie hat Figuren wie Prinzessin Fledermaus und den Zaubervogel erfunden. Am 1. Juni feiert die beliebte Kinderbuchautorin Verena Zeltner aus Neunhofen ihren 60. Geburtstag.

 

Das Zuhause von Verena Zeltner könnte jeden beflügeln. Ihr Haus in Neunhofen bei Neustadt/Orla ist stummer Zeuge vieler Jahrzehnte. "Es dürfte aus dem 18. Jahrhundert stammen", erzählt die Autorin. Dahinter erstreckt sich ein paradiesischer Garten und ein Teich. "Derzeit springe ich jeden Morgen dort hinein." Mehrere Frösche üben hier ein lautstarkes Konzert, schillernde Libellen schweben über die Wasseroberfläche. Weiße, rosa und gelbe Wasserrosen machen das Idyll perfekt, in dem sich manch menschlicher und tierischer Held aus Verena Zeltners Kinder- und Jugendbüchern wohl fühlen würde. Heute wird die sympathische Autorin 60 Jahre alt. Ihr erlernter Beruf hatte noch so gar nichts Magisches an sich: "Ich habe lange in der Buchhaltung gearbeitet." Erst nach der Wende veröffentlicht die gebürtige Lausnitzerin ihr erstes Buch. "Ich wollte schon immer schreiben", erzählt sie, "habe Gedichten und Kurzgeschichten verfasst." Doch die Kontakte zu Künstlerkollegen in der DDR-Zeit fehlen, ihre Zeilen bleiben ungelesen. Nach einer schweren persönlichen Zeit findet sie aber den Mut, ihren Traum vom Schreiben zu leben. "Ich dachte mir, wenn ich es jetzt nicht mache, dann mache ich es nie mehr." Zauberhaften Figuren wie "Max und Tippitu", dem "Zaubervogel" oder "Baumkind Traumkind Sternenkind" hat die zierliche Autorin seither Leben eingehaucht. Fast immer richten sich ihre Geschichten an Kinder und Jugendliche. "Ich habe einfach rausgefunden, dass das mein Ding ist." Manchmal genügt ein schönes Wort, ein Name oder ein Satz, und die Geschichte nimmt im Kopf ihren Lauf. "Bei meinem liebsten Buch, Prinzessin Fledermaus, hatte ich nur den Titel", erzählt sie. Den nimmt sie zum Ausgangspunkt, um eine umfangreiche Recherche über die Hufeisennasen zu starten. Die Geschichte von Felix, der von Berlin nach Thüringen kommt, um dort die Bekanntschaft von Felixa einer Expertin für Fledermäuse zu machen, wird 2009 ihr bis dato erfolgreichstes Buch. Natürlich fließt auch Persönliches in ihre Erzählungen ein. "In meinem neuen Buch gibt es ein Mädchen, das von ihren Mitschülern gemobbt wird", erzählt sie. "Ich war als Kind selbst sehr unsicher, konnte das also gut nachempfinden." Mehrere Monate dauert die Entwicklung von der Idee zum fertigen Buch. "Ich schreibe sehr viel auf, Ideen und Namen für meine Geschichten, so dass vor dem richtigen Schreiben meist ein dicker Packen Zettel auf dem Schreibtisch liegt." Namen und Charaktere können sich während des Schreibens verändern. "Das Ende habe ich aber meist schon von Beginn an im Kopf." Seit 2006 arbeitet Verena Zeltner als freie Autorin, erhielt 2009 und 2010 Stipendien, um sich ihrer kreativen Arbeit widmen zu können. Trotzdem ist die freie Zeit zum Schreiben rar gesät. "Ich betreue eine Schreib-AG für Kinder", erzählt sie. Lesungen, Verpflichtungen beim Thüringer Schriftstellerverband und Aushilfen im Geschäft des Lebensgefährten machen den Terminkalender rappelvoll. Aber am Liebsten sitzt sie an ihrem Schreibtisch am Küchenfenster, mit Blick auf Garten und Teich, und lässt ihrer Fantasie freien Lauf.