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10.10.2007

Den Märchen auf der Spur

Thüringer Allgemeine

Bechstein und Musäus sind vielleicht die bekanntesten, nicht aber die einzigen Sammler von Märchen und Sagen aus Thüringen.

THÜRINGEN. Herzogin Anna Amalia ernannte Johann Karl August Musäus (1735-1787) 1769 zum Gymnasial-Professor für deutsche Sprache und Geschichte. Seine Sammlung "Volksmährchen der Deutschen", die in fünf Bänden Kunstmärchen, Sagen und Legenden vereint, entstand zwischen 1782 und 1786 auf Anregung von Wieland. Als Kompendium des deutschen Sagenschatzes gilt heute noch immer Ludwig Bechsteins (1801-1860) "Deutsches Sagenbuch" von 1853. Noch populärer sind seine Märchensammlungen. Ein enger Freund Bechsteins war der Mundartdichter Christian Ludwig Wucke (1807-1883), der auch als Sammler von über 800 Thüringer Volkssagen eine eigene Handschrift besaß. Im Jahr 1873 wurde er mit dem Schillerpreis geehrt. Ebenfalls mit Bechstein verbunden, der sein Talent gelobt hatte, war Friedrich Mihm (1811-1864).

Nach seinem Studium in Jena sammelte er im Coburger Umland Sagen, von denen aber nur ein Teil verlegt wurde. In seinem literarischen Schaffen erfolgreicher war Rudolf Baumbach (1840-1905). Der Durchbruch gelang ihm mit der Alpensage "Zlatorog" und noch heute ist er für seine Märchen und Lieder wie etwa "Hoch auf dem gelben Wagen" bekannt. Um die Pflege von Thüringer Volkskultur und Traditionen bemühte sich auch die als "Thüringer Waldfrau" bekannte Luise Gerbing (1855-1927). Und obwohl Gustav Freytag (1816-1895) keine eigenen Sagen sammelte, waren die Volkssagen doch Teil seines Werks, im Romanzyklus "Die Ahnen".